Die Reise des Zuckers

Natürlicher Zucker reist durch den Körper: Der gesunde Zuckerzyklus

Was also geschieht, wenn Zucker im Körper auftaucht? Erscheint ein natürlicher Zucker (zur Vereinfachung am Beispiel Glucose) in einem gesunden Körper dann passiert folgendes:

Der Zucker durchwandert Mund, Magen, 12-Fingerdarm und landet schlussendlich im Dünndarm. Auf diesem Weg werden die großen Moleküle  zerlegt bis sie nur noch als Einfachzucker (Monosaccharide) im Dünndarm landen. Hier kümmert man sich erst einmal um die Resorption der Zuckermoleküle (Glucose, Fructose, Galaktose) was bedeutet, dass sie die Darmwand passieren und mit dem Blut zur Leber transportiert werden.

Der Blutzuckerspiegel befand sich auf seinem Grundwert von etwa 80 bis 100mg pro 100 ml Blut. Dann, langsam (innerhalb von 1 bis 2 Stunden), steigt er auf etwa 120 bis 150mg an Gleichzeitig erhält die Bauchspeicheldrüse den Befehl, das Hormon Insulin zu produzieren.

Das Insulin soll den Blutzuckerspiegel wieder dahingehend senken, dass er sich – wiederum langsam und innerhalb von etwa 2 Stunden – auf seinem ursprünglichen Grundwert von 80 bis 100mg einpendelt.

Insulin ist in etwa mit einem Spediteur für Brennholz zu vergleichen. Das Brennholz sind die Zuckermoleküle. Spediteur Insulin transportiert das Holz zu den verschiedensten Organ-, Muskel- und Nervenzellen, die daraus Energie gewinnen, das Holz also verbrennen, um ihre täglichen Aufgaben optimal erfüllen zu können.

Diese natürliche Art von Glucose, trifft nie pur im Körper ein, stets ist sie in Begleitung von Vitaminen, Ballaststoffen und lebenswichtigen Mineralien. Diese Begleitstoffe wirken wie Bremsklötze an den Glucosefüßen, sie sorgen dafür, dass die Zuckermoleküle nicht drängeln und schön langsam der Reihe nach durch die Darmwand ins Blut übergehen.

Natürliche Glucose kann man sich in etwa wie massives, prima abgelagertes Buchenholz in handlichen Scheiten vorstellen. Ein gleichmässig und lang brennendes Feuer entsteht.

Sind alle „Organfeuer“ knisternd im Gange und im Blut sind dann immer noch Zuckerteilchen übrig, so werden diese vorerst überflüssigen Zuckerteile (Holzscheite) vom Spediteur Insulin zur Leber gebracht.

Hier werden die Holzteile dann zu Press-Span-Platten umfunktioniert, weil das Brennmaterial in dieser Form platzsparender aufzubewahren ist als die losen Holzprügel.

Die Press-Span-Platten im menschlichen Körper nennt man Glykogen. Das ist eine Speicherform der Stärke, die als Vorrat für magere Zeiten dient.

Erscheint jetzt aber nach der Zuckerzufuhr längere Zeit nichts mehr im Magen, beginnt der Blutzuckerspiegel langsam aber sicher zu sinken, denn Organe wie beispielsweise Herz, Lunge, Leber und Gehirn rufen ja unentwegt Glucose (Brennholz) aus dem Blut ab.

Ein stetig sinkender Blutzuckerspiegel ist für die Bauchspeicheldrüse das Signal, jetzt eine Arbeitstruppe ins Blut zu schicken. Sie heisst Glucagon. Das ist im Gegensatz zu unserem Spediteur Insulin ein Team, welches in der Leber nun beginnt, die Press- Spanplatten wieder auseinander zu nehmen, um sie in einfaches Brennholz für die Organe zurückzuverwandeln.

Glucagon ist also ebenfalls ein Blutzucker regulierendes Hormon, nur wirkt es eben gerade anders herum als Insulin. Auf diese Weise wird der Blutzuckerspiegel stets relativ konstant auf seinem Grundwert gehalten, denn die Organfeuer sollen ja nie ganz zum Erliegen kommen.

Dieser Mechanismus sorgt selbst während längerer Fastenzeiten für einen zuverlässigen Nachschub an Brennmaterial.

Das Problem der ProblemZONEN ist also:

Kommen die einkalkulierten Hungersnöte nicht oder wird nicht so viel verbraucht, sind die Lagerkapazitäten in der Leber bald erschöpft. Doch das ist nicht schlimm, denn dann werden einfach an anderen Stellen im Körper neue Lagerhallen gebaut. Diese „anderen Stellen“ nennt man auch „Problemzonen“! Nur kann dort keine Stärke gelagert werden. Diese wird deshalb in Fett umgewandelt und trägt nun dazu bei, dass das Bäuchlein ein wenig runder, die Oberschenkel noch etwas behäbiger werden. Da haben wir den Salat.

Das Problem mit dem raffinierten Zucker:

Die Reise des raffinierten Zuckers läuft eigentlich gleich ab, doch die Situation am Ende im Dünndarm ist eine andere. Sie eskaliert förmlich im Vergleich zur natürlichen Glucose. Die raffinierten Zuckerteilchen kommen in reiner Form an, ohne Mineralien, Balaststoffe etc. Diese verlangsamen normalerweise ide Ausschüttung ins Blut. Da sie hier nicht vorhanden sind, drängeln sich die Glucoseteilchen durch die Darmwand ins Blut. Ein „Glusoce Tsunami“ überrollt die Leber, sie ist glänzlich überfordert und bei so einer dauerhaften Belastung schränken sich ihre anderen wichtigen Funktionen ein. Durch diesen ständigen Zuckerkonsum kommt die Leber nicht mehr recht dazu uns von Schad- und Giftstoffen zu befreien – der Körper leidet darunter, wird vielleicht sogar krank.

Die Folge eines solchen Tsunamis ist eine Übermenge an Zucker im Blut, der zu den Organen gebracht werden muss. Dazu brauchen wir demenstsprechend eine Menge Insulin, unser Spediteur. Mit dem raffinierten Zucker, zu Vergleichen mit Sägespäne, werden lauter kleine Feuerchen angezündet, die die Organe zum Laufen bringen.

Das geht flux, es brennt gut, gibt jede Menge Energie (Energieschub) und zack ist es auch schon wieder erloschen. Der Blutzuckerspitzenwert rast in die Tiefe, am Grundwert vorbei, in das Rekord-Tief.

Nach einem absoluten Energieflash ist der Körper 2 Stunden später so Energielos, dass er ruhig gestellt werden muss. Schlafen! Das wäre schön…ABER geht ja nicht, weil noch Arbeit wartet etc. Also greift der Großteil unserer Gesellschaft zum nächsten Schokolädchen, Kaffee, Weißbrot und das ganze Chaos geht von vorne los. Unser Körper ist in einem ständigen Ausnahmezustand, viel zu viel Energie wechselt sich mit dem Energieloch ab. Unser Körper kommt nie zur Ruhe.

Füttern wir ihn mit komplexen Kohlenhydraten, Balaststoffen, Mineralien und Viatminen kann er den Energiehaushalt problemlos im Gleichgewicht halten. Auch ein bisschen Schocki zwischendurch hält das System dann aus und kann sich wieder einpendeln.

 

 

 

 

 

 

Ein einprägsamer Tag bei den Hebammen

Schon wieder daheim angekommen, möchte ich noch von meiner letzten Erfahrung berichten. Unsere zwei lieben Hebammen Caro und Belinda waren so nett, mich mit zu ihrer privaten Frauenklinik und mit ins Krankenhaus Mawenzi zu nehmen.

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Die zwei haben vorher auch kräftig Spenden gesammelt und sind gut ausgerüstet vor 2 Monaten angekommen.

Zuerst waren wir bei ihrer alten Gastfamilie, dort sind sie nach einem Monat wieder ausgezogen, da das nicht ganz geklappt hat. Die Mama ist Hebamme und führt eine kleine Praxis hauptsächlich für Frauen in ihrem Dorf, dort bekommen sie medizinische Versorgung und können auch dort entbinden. So müssen sie nicht den weiten Weg ins Stadtzentrum auf sich nehmen. Ganz toll finde ich auch, dass Mama seit etwa 2 Jahren auch „Family-planning“ anbietet, dh. Frauen können kommen und sich über Verhütungsmittel informieren und welche bekommen. Ganz beliebt sind wohl die Hormonstäbchen, die 3 Jahre lang halten. Es ist unglaublich, aber Frauen erfahren hier meist zum ersten Mal, dass sie nicht dauerhaft schwanger sein müssen. Ein Kind nach dem anderen muss nicht sein, der Körper benötigt auch mal eine Pause. Nicht ohne Grund sind die meisten Frauen inkontinent oder leiden an

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einem Gebärmutterprolaps. Beckenbodentraining gibt es ja so wie so nicht, Vor- und Nachbereitung kommt ganz allein aus der Familie, da Mädchen, sobald sie ein Kind tragen können schon Mutter sind, da sie au die Kleinen aufpassen. Caro erzählte mir, es sei ganz erstaunlich, dass die Frauen hier keine Einführung in Stilltechnik oder Kind auf den Rücken binden brauchen, das haben sie schon oft genug gesehen bzw. selber gemacht.

Die kleine Klinik gehört zu der Organisation „familia“, das ist wie bei uns Pro familia. Die Mama bietet alle möglichen Beratungen an, von warum werde ich schwanger bis hin zur HIV-Beratung und Entbindung. Alles mit Materialien, die von familia gesponsert werden. Die Mama muss dafür aber auch strenge Richtlinien beachten, wie zB. Musste sie nun ihre Holzbetten raus schmeißen, da unbedingt Metallbetten in den

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Räumen stehen müssen. Als die Zwei kamen, war dementsprechend schon so Not am Mann, dass sie der Mama zwei neue Betten gekauft haben von den Spendengeldern. Nun kann sie erstmal weitermachen, aber die neuen Auflagen kommen schon.

 

Im Grunde besteht die Klinik aus einem kleinen Büro, einem Entbindungsraum und einem Schlafzimmer mit 2 Betten, in dem entweder werdende Mütter oder frisch gebackene Mütter schlafen und sich ausruhen können. Auf den ersten Blick wirkte alles sehr einfach, alt und etwas heruntergekommen. Aber wir sind immer noch in Afrika und da brökeln nun mal die Wände ab, das kann man nicht erwarten, auch nicht in einer Klinik. Die Frauen führen auch hier einen Mutterpass für jedes Kind, wenn es auf der Welt ist, werden die motorischen Fähigkeiten bei jedem Check-up überprüft und das Kind gewogen. Quasi haben sie hier auch die regelmäßigen Kontrollen und laut Belinda, halten die Frauen das auch sehr penibel ein. An diesem Tag gab es keine Geburt, aber das kommt auch nicht so häufig vor, häufiger sind Malariatests und Verhütungsmittel. Eine Frau kam vorbei um sich die Pille zu holen, da ihr Stäbchen seit 3 Monaten draußen ist..nun sie hat immer noch nicht ihre Tage und so stellte sich her

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aus, dass sie schwanger ist. Sie war nicht allzu begeistert, da wahrscheinlich der Mann dazu fehlt. Das passiert wohl recht häufig, dass Frauen vor der Heirat schon schwanger sind und diesen Mann dann heiraten müssen, sonst stünden sie alleine da. Auf einen Familienrückhalt kann man hier auch nicht hoffen, da man ja einen Bastard zur Welt bringen wird und daher wird man verstoßen. Bei Mama lebt so eine Frau, sie steht kurz vor der Entbindung und alle sagen, der Mann wird schon noch auftauchen, glauben tut daran aber keiner.

Die Klinik ist auf jeden Fall eine Möglichkeit mehr Aufklärung unter die Leute zu bringen und auch darüber zu reden. Ich finde das eine tolle Sache und hoffe, dass die Mama das noch lange weiterführen kann.

Am zweiten Tag waren wir dann im Mawenzi Hospital, das ist eine Klinik für Frauen mit Kreißsaal und Krankensaal. Dort arbeiten relaitv viele Hebammen, an die 20 auf eigene Faust, ab und an schaut der Pädiater vorbei. Das Haupthaus besteht aus einem Saal für kranke Frauen bzw. werdende Mütter, dann der Kreißsaal in der Mitte und daneben der Raum für die neuen Mütter. Der Kreißsaal besteht aus mehreren Abteilungen, die durch Vorhänge getrennt sind, in jedem steht ein gruselig aussehender Stuhl bzw. Bank. Das „neueste“ Model erinnert an einen Gynäkologenstuhl, die anderen sind einfach nur Liegen mit Beinauflagen. Es sieht im Allgemeinen alles sehr sehr alt aus, zusammengewürfelt und kaputt. Ich habe wenig positives zu berichten, es war ein einprägsamer Tag, an dem ganz klar rüberkam, dass dieses Krankenhaus das billigste in der Stadt und Umgebung ist. Nur die Armen kommen hier her, weil wer besser dasteht, geht ins St. Jospeh. KCMC hat keine Gyn, daher fällt das raus. Mein Tag dort begann mit dem Gefühl in einem Horrorfilm mitzuspielen und endete mit einem schwer verdaulichem Erlebnis, das mir bis heute sehr nahe geht.

Nun mal von Anfang an, Caro war so lieb mich rumzuführen, nachdem es erstmal einen großen Aufstand gab, da ich keine Klinikklamotten dabei hatte. Drum habe ich mir von Caro ein Outfit geliehen (das sie aus Deutschland mitgebracht hat und daheim wäscht und wieder dahin bringt, wo auch immer da die Hygiene ist). Caro hat mir also den Kreißsaal gezeigt mit seinen Geräten, darunter ein Herztöne-Abhör-Gerät, super modern und neu. Wird nicht benutzt, weil man nicht weuß wie es funktioniert. Caro hat schon angeboten, es mal zu erklären, darauf hin kam die Antwort: später…bis jetzt ist nichts geschehen. Wie ich später live miterleben durfte bedarf es da nur eines Einschalten durch Knopfdruck und dann kann man schon mit Hilfe des Gels, den Bauch abhören.Kein Hexenwerk..oder doch?

Einprägsam waren die sterilen Boxen, die sie für den Op gerichtet haben, darin lag das sterile Besteck, verbogene Zangen und Stäbe, die mir beim bloßen Anblick schon Schmerzen bereitet haben, dazu waren die Meisten schon angerostet. Diese Boxen wurden dann sorgfältig verschlossen und mit sterilen Tüchern verpackt, von der Theorie her wie in Deutschland, doch dass diese Tücher steril waren bezweifle ich mal sehr, zerrissene Lumpen, die so wie so nihct groß genug waren um die Box, die eh nicht richtig schließt zu umwickeln. Das haben wir dann zum Op gebracht, der etwa 10 min Laufweg entfernt war. Diesen Weg müssen all die Frauen hinter sich bringen, wenn es zu einem Spontankaiserschnitt kommt. Dh. Herztöne gehen runter etc, dann muss schnell gehandelt werden, in Deutschland kommt man in den Op neben an, 2min..hier halbe Weltreise und laut Caro, bedeutet das schon eventuell totes Kind. In den 2 Monaten kam das zum Glück noch nicht vor.

Wieder zurück heißt es Boden wischen, das machen dann plötzlich 10 Hebammen gemeinsam, mich wundert schon jetzt, dass sie daür so viel Zeit haben. Die Weißen können eh nicht putzen, also wurde mal wieder nur rumgemeckert, wie wir zu putzen haben. Die ganze Putztradition ist hier so wie so überall gleich, Dreckverteilung anstatt Sauber machen. Dann haben wir uns mal die Mamas angeschaut und nach denen gesucht, dessen Geburt die 2 begleitet haben. Viel Hilfe brauchen die Spontangeburten ja nicht, wie oben schon erwähnt, aber eine Sectio ist ein langwieriger Prozess, eigentlich haben alle eine Sepsis hinterher. Ein Arzt ist mal fix durchgelaufen und wenn eine Wunder nicht gut aussieht, wird mal auf den Bauch gedrückt, der Eiter quillt raus und damit ist sie gesäubert. Neuer Verband und gut ist. Die Wundversorgung übernehmen eigentlich nur die zwei, da es für die anderen Hebammen „nicht-notwendige-Arbeit“ ist. Währenddessen kommt ein Kind in den Kreißsaal von einer früher Sectio, Caro zeigt mir was für Check-ups man eigentlich macht um zu testen, dass es gesund ist. Wir schauen uns die Kleine also genau an, die arme liegt in einem Bettchen mit greller Halogenlampe und einer Wärmelampe, die nicht funktioniert. Es ist kalt, hell und laut in der neuen Welt..Nach kurzer Zeit werden wir schon wieder ermahnt, das Kind zugedeckt da liegen zu lassen, es sei nicht nötig alles zu überprüfen. Wir machen trotzdem weiter, ich finde das mega interessant die Fontanellen zu spüren und die Fingerchen zu zählen. Dann bekommen wir mit, dass eine Frau fertig gemacht wird für eine Op im Kreißsaal, sie hatte eine Hausgeburt und die Plazenta ist noch nicht da, zudem hat sie wohl einen Dammschnitt erlitten. Sie wird kurzerhand auf eine dieser Bänke gelegt, nur in ihre bunten Tücher gewickelt und da zieht die Hebamme schon die Plazenta raus. Die Frau schreit kurz auf vor Schmerz und schon geht’s weiter, mit der Plazenta in der Nierenschale direkt an den Beinen der Frau, zieht die Hebamme Betäubungsspritzen auf und schießt sie wahllos rein, die Spritze landet auf der Plazenta. Ach nein, noch ein Schuss vergessen, also wird die Spritze nochmal verwendet. Dann fischt die Hebamme noch nach Resten der Plazenta mit normalen Handschuhen, nicht desinfiziert. Ein Regal weiter gibt es sterile Handschuhe..Dann wird der Dammschnitt gemacht, laut Caro nach viel zu kurzer Einwirkzeit des Betäubungsmittels. Die Frau wird also auf unsteriln Tüchern, ohne sterielen Handschuhen , ohne sterieler Haut drum herum mit einer unsterilen Nadel genäht. Sie schriet und jammert vor Schmerzen..

Ich musste zwischen durch immer mal wieder rausgehen, nicht weil mich das Blut oder die Plazenta angeekelt hat, sondern weil ich den Anblick dieser leidenden Frau und dieses unsterile Arbeiten nicht ertragen konnte. Es hat mich angewidert, wie unachtsam ein Mensch arbeiten kann. Caros Worte: „ das hier ist eine halbe Vergewaltigung für jede Frau“. Mir wurde ganz schwindelig und schlecht. Daher haben wir lieber der Kleinen zugeschaut, die nach 1h immer noch alleine da lag, in der Zeit wäre auf Mamas Brust liegen angesagt gewesen.. Zum Schluss kam dann noch eine Frau in den Kreissaal, deren Fruchtblase schon geplatzt ist und das Wasser grünlich war. Das bedeutet, das Kind hatte schon enormen Stress und har seinen ersten Stuhl im Bauch abgesetzt. Zudem wurde dokumentiert, dass die Herztöne drastisch runter gegangen sind. Wir haben die rau alleine vorgefunden, die Hebamme war grade mal wieder verschwunden. Als sie auftauchte, hat Caro gleich mal nachgefragt was denn jetzt passiert, die Antwort: ich muss erstmal die Akte fertig ausfüllen. Während die Hebamme also mit der Anamnese beschäftigt war, haben Caro und Belinda die Herztöne kontrolliert mit dem modernen Gerät. Sie hatten sich schon wieder normalisiert, daher haben sie mit der Frau Atemübungen gemacht, diese war schon völlig verstört, so allein auf der Liege mit Wehen und Hebammen, die Stress machen aber ncihts erklären. Dann kam wieder eine andere vorbei und hat den Muttermund gemessen, als sie es eintragen wollte musste sie feststellen, dass sie laut dem vorherigen Wert schon viel weiter sein müsste. Das kann antürlich nicht sein, also verschwindet sie ersteinmal wieder. Daraufhin kommen 3 Frauen, die mich ausfragen, was denn hier los sei. Wie sich herausstellt, sind sie da um die Klinik zu beurteilen. Ironischerweise gerade im richtigen Moment. Caro erzählt ihnen was sie weiß und dass keiner da ist um sich zu kümmern. Plötzlich reicht man uns die Akte und dort steht nichts mehr von Herztönen und unklaren Munttermund. Wurde mal eben vertuscht. Als es dann hieß, die Frau kommt jetzt auf jeden Fall in den Op für die Sectio, konnten wir dann etwas beruhigter Feierabend machen.

Alles in allem haben mir die zwei viel erzählt von ihren Problemen und was sie so frustriert. Das brauch man wirklich zwischendurch, weil es doch so viele Eindrücke sind und Dinge, die man schlucken soll oder muss. Da hilft nur drüber reden.

Ich habe hier viel gelernt, zB. Es ist das eine, wenn die Leute hier nicht professionell handeln, weil sie es nicht besser wissen. Das Bildungsangebot ist nun mal nicht vorhanden und ohne Zugang zu Informationen, kann man gewisse Dinge nicht anders machen. Das war bei meiner Arbeit durchgehend der Fall. Daher war es umso schöner, ihnen ihre Fragen zu beantworten, denn sie waren wissbegierig und wollten ja dazulernen. Aber es ist was anderes, wenn man die Handlungen nicht mehr mit der Bildungslücke entschuldigen kann, auch nicht mit Geldmangel und damit Materialmangel. Nein, hier im Mawenzi, und das haben mir nicht nur die Mädels erzählt, das habe ich selbst zu spüren bekommen, da wollen sie nichts ändern und sind strikt und einfach zu faul um ordentlich zu arbeiten. Auf Anregungen der Mädels gehen sie nicht ein, sie wollten sich das Gerät nicht erklären lassen und obwohl es sterile Handschuhe und genug Spritzen gibt, wird darauf nicht geachtet. Dazu kommt, dieses in meinen Augen unmenschlich grobe Behandeln der Frauen. Bei jeder Untersuchung, die ich gesehen habe, haben die Frauen sich vor Schmerzen zusammengezogen. Wenn man doch so einen Beruf wählt, sollte man dich ein wenig Feingefühl haben. Aber vielleicht macht einen das Leben auch so hart. Caro sagt, ihre Erklärung dafür und die hat sie sich zurecht gelegt um abends einschlafen zu können, ist, dass es hier eine hohe Säuglingssterberate gibt. Die Kinder tragen im ersten Jahr keinen Namen, da man nicht weiß ob es überlebt. So wird es auch gehandhabt. Für sie ist es kein Wunder, ein neues Leben. Für sie ist es gute Arbeit, wenn Frau und Kind noch am Leben sind nach der Geburt und dann ist es nicht mehr ihre Angelegenheit. Sehr sehr traurig. Caro und Belinda haben sich diese Woche dafür entschieden, ihre Arbeit dort auzuhören und sich lieber ein anderes Projekt zu suchen, dass sie nicht täglich schockiert und wo ihre Hilfe mehr gebraucht und auch angenommen wird.

Meine Eindrücke generell waren sehr unterschiedlich. Von armen Menschen, die aber auf ihren tollen Rollstuhl nicht aufpassen und daher schon wieder kaputt ist. Von Hochzeiten an denen das restliche Essen einfach in den Müll gekippt wird, Mengen von Reis und Bananen, anstatt die Gäste zweimal nehmen zu lassen (!) oder das Personal zu bewirten oder es gar zu spenden. Von unwirschen Hebammen, die nichts von Weißen halten, egal wie nett und respektvoll man ihnen begegnet. Aber auch von lernwilligen, die soweit denken können, dass ein Weißer zum Austausch doch ganz praktisch ist. Man muss ihn ja nicht als Lehrer ansehen, da man die Kultur und die Gewohnheiten noch nicht gut kennt, aber sich austauschen und ins Gespräch kommen, das hilft doch beiden weiter.

Ich bin froh, in einer Einrichtung gewesen zu sein, in der Mann meine Arbeit geschätzt hat ohne mich gleich auf ein Podest zu stellen. Es war ein Miteinander und kein aufgesetztes Getue. Dort habe ich mich wohl gefühlt und bin daher sehr motiviert auch weiter dort zu arbeiten, erst mal von Deutschland aus und dann mal wieder zu kommen für ein Projekt, wie zB Fortbildungen anzubieten für die Mamas, denn ohne die Mamas sind die Kinder ganz verloren. Da kann ich noch so viel arbeiten, es gibt noch 10 andere Center in denen nur die Mamas hocken. Da muss man ansetzten um wirklich was voran zu bringen!

Gabriella Rehabilitation Center

Ein Tag ging es dann in die renommierte Einrichtung für autistische Kinder. Meine Freundin Arndis arbeitet dort als Ergotherapeutin mit noch ein paar anderen Freiwilligen. Es ist hauptsächlich auf Autismus spezialisiert, aber grob kann man eigentlich sagen ist es eine Rehabilitation für geistige Behinderungen. Die Einrichtung selber wird von einer e inheimischen Ergo geführt, die sehr viel Wissen und Erfahrung hat, daher ist sie auch so berühmt. Medizinstudenten von KCMC und angehende Therapeuten machen dort Praktika.

Etwa die Hälfte der Kinder wohnt dort, wird also als eine Art Internat genutzt, da auch Unterricht stattfindet und die andere Hälfte kommt jeden Morgen von daheim. Begonnen wird der Tag mit 2 Einheiten Unterricht, da sind die Kinder nach Behinderung und Leistung eingeteil

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te ich schon an diesem einem Tag was mithelfen und beisteuern, das hat mich auch sehr gefreut. Weiter ging es mit Mittagessen, was mich sehr an ein Summercamp oder ähnliches erinnert hat. Aus einem großen Topf wurde der hier bekannte Gewürzreis (Pilau) geschöpft und alle 70 Kinder haben einen Klatsch auf ihren Teller bekommen. Wir sind dann recht schnell aus dem Lärm geflüchtet und Arndis hat mich noch ein wenig herumgeführt. Die Einrichtung bietet nämlich wirklich tolle Sachen, wie zum Beispiel einen Garten, Hühnerstall und eine kleine Werkstatt. Es gibt eine Musikklasse, die kümmert sich um all das und stellt auch Möbel her, für diese Kinder macht Unterricht keinen Sinn und daher stützt man sich hier auf das Arbeiten in Zukunft, sie sollen eine Art Handwerk lernen (zB. Hühner füttern…).

Zudem bietet Gabriellas alle 2 Wochen eine Therapy-week an, in der kommen Kinder aus ganz Moshi und Umgebung mit allen möglichen Behinderungen, also auch körperlich. Sie bekommen dort eine Intensivtherapie und auch die Eltern werden geschult im Umgang mit Füttern, Sitzten oder Übungen. Das finde ich besonders toll, vor allem da die Familien nichts dafür zahlen müssen, es wird eine kleine Gabe erwartet, aber das kann genauso auch eine Essensspende sein.

Nach dem Mittagessen kam der mysteriöse Programmpunkt : „Playdough“ dran. Also darunter verstehe ich Knete, die Tansanier verstehen darunter: „ Mit Matsch spielen“. Das lief dann so ab, dass alle Kinder draußen zusammengerufen wurden und in der Mitte stand eine Schubkarre voller Matsch (natürlich extra gesammelt, damit er keine Steine enthält) und Wasser. Dann ging es darum die Kinder an Beinen und Armen einzureiben oder mit ihnen das zu tun. In erster Linie um ihr Immunsystem zu stärken, wurde mir erklärt. Aus therapeutischer Sicht fällt einem da auch noch mehr ein, wie Sensi-training, sie selbst spüren, das kalte nasse auf seiner Haut spüren und natürlich mit dem Matsch spielen, Dinge formen, platt drücken, da kann man sich tolle Feinmotrik-übungen überlegen. Allem in allem hat, glaube ich, jedes Kind Spaß am „sich dreckig machen“ und danach ich der prallen Sonne abgespritzt zu werden. 🙂

Die Einrichtung war af jeden Fall interessant zu sehen, es gibt nicht viel zu tun für Pts, daher gibt es auch keine dort, aber da die ganze Ergo-Logo-Physiotherpie sich doch sehr oft vermischt, war es auf jeden Fall spannend zu sehen. Es gibt auch viele Ansätze, wo man noch etwas ändern könnte, aber das dürfen die ganzen Freiwilligen (6 insgesamt) in nächster Zeit austüfteln.

Dank dieser Einrichtung habe ich auch diesen „Corner-chair“ kennengelernt, der Kindern hilft länger zu sitzen, zum Füttern zB. Oder einfach nur als Rumpf- und Kreislauftraining. Zwei solcher Stühle habe ich jetzt bei einem Handwerker hier in Auftrag gegeben für Ebeneezer und Fatuma, damit diese Spuckerrei nach dem Essen mal besser wird und auch sonst der Umgang mit den Kindern verbessert wird und sie nicht dan ganzen Tag am Boden rumliegen. Natürlich kostet so etwas auch und ich war sehr froh, hierbei mit dem Spendengeld eines Verwandten von mir aushelfen zu können!

Tag im St. Joseph Hospital

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Gestern durfte ich mit einer anderen Freiwilligen mitgehen, die auf eine Zusage zum Medizinstudium wartet und solange hier ein Praktikum in allen verschiedenen Stationen macht. St. Joseph ist ein katholisches, von Schwestern geführtes Krankenhaus, das mit dem KCMC (das größte und beste Tansanias) das beste in Moshi ist. Die Pädiatrie ist im obersten Stockwerk und besteht aus 2 großen Sälen, in denen Bett an Bett ein Kind mit seiner Mama liegt. Bei Bedarf teilen sich auch 2 Kinder ein Bett. Oben drüber ist ein Moskitonetz angebracht für jedes Bett. In dem einen Saal werden alle ansteckenden Kinder gebracht und in den anderen alle, die nicht ansteckend sind. Aber mir wurde gesagt, da es Platzangel gab, sind jetzt auch ein paar ansteckende bei den nicht ansteckenden Kindern.

Die Betten sind kostenlos, aber für alles andere muss gezahlt werden,, das ist hier überall so üblich. Es gibt kein Essen und auch die Medikamente müssen die Patienten selber in der Apotheke im Erdgeschoss kaufen. Der Doktor macht täglich Visite und diagnostiziert und schreibt Rezepte. An sich dürfen die Patienten solange bleiben wie sie wollen, da sie für das „Liegen“ nichts zahlen müssen. Natürlich muss man den Platz räumen, wenn er benötigt wird. Aber dementsprechend war der allgemeine Eindruck, dass viele Kinder ziemlich aktiv und quietsch fidel waren. 80% sind wegen einer Lungenentzündung hier und damit müssen sie auch mind. 5 Tage bleiben, auch wenn es ihnen schon längst besser

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geht. Das behandeln sie hier auch mit Antibiotika, aber das wird via Infusion gegeben. Tabletten gibt es keine. Das heißt, alle Kinder sind mit einem Zugang an der Hand rumgelaufen. Ein Kind hatte Meningitis, die tat mir besonders leid, wie sie da mitten unter schreienden, tobenden Kindern lag und sich so elend gefühlt hat.

Leider haben wir die Visite verpasst,.da der Arzt Nachtschicht hatte und sie schon ganz früh gemacht hat. Die Schichten sind hier übrigens echt lang, Tagesschicht plus Nachtschicht plus nochmal ein halber Tag. Wir durften dann aber bei den HIV-Tests zuschauen, die seit neustem verpflichtend sind für jedes eingelieferte Kind. Das wurde mit Teststreifen gemacht, wie bei einem Schwangerschaftstest mit einem Tropfen Blut, wie beim Zuckertest. Die Kinder haben gebrüllt als hätte man ihnen etwas schlimmes angetan, aber nachdem ich auch zugeschaut habe wie sie die Zugänge bei ihnen legen, hab ich verstanden, wovor sie solche Angst hatten. Selber Ort, selbe Schwester und eine Nadel.. von den 15 Kinde

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rn, die gestern getestet wurden, war eins positiv. Dazu muss man noch bedenken, dass in dieses Krankenhaus auch wirklich nur die Menschen kommen, die sich das leisten können, generell ist ein Krankenhausaufenthalt für viele nicht machbar. Kosten plus einen Ehemann, der Essen bringt. Bei meinen Kindern haben die meisten keinen Vater mehr, geschweige eine Mutter, also wer soll sie ins Krankenhaus bringen? Da ist das Taxi von BCC nicht ausreichend, da hängt noch viel mehr Aufwand mit dran. Das habe ich auch jetzt erst begriffen.

 

Nach dem HIV Tests mussten dann noch neue Zugänge gelegt werden, dabei ist mir aufgefallen, dass sie für jedes Kind dieselbe Größe benutzen. So eine lange Nadel hätte mir als Kind auch Angst gemacht.

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Der kleine Raum auf einem Foto an der Wand, da ich nicht in den voll belegten Raum hineinfotografieren wollte.

Die Station ist ansonsten noch mit einem Spielzimmer ausgestattet, wo fittere Kinder spielen können, der Raum ist wirklich schön gestaltet. Nachdem wir uns ein bisschen mit den Kindern beschäftigt hatten, mussten ein paar zur Untersuchung ihrer Nase antreten. Anscheinend haben sie eine Impfung erhalten gegen Grippe und haben sie trotzdem bekommen. Jetzt möchte das KCMC untersuchen, woran das genau lag. Das heißt es wurde Sauerstoff gemessen, Teststreifen von der verstopften Nase genommen und mit Flüssigkeit vermischt. Das eine geht nun ins Labor vom KCMC. Danach war es dann Zeit für die Medikamention, da sie ja alles über Infusion bekommen, musste das bei jedem Kind angeschlossen werden und Spritzen gegeben werden. Das war nicht so einfach wie bei uns mit einer Schale aller Tabletten zum Mittagessen. Damit war der Tag dann auch schon rum, es war eine tolle Erfahrung. Ich muss sagen, ich hätte es schlimmer erwartet. Natürlich sind das Zustände, das

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s 20 Kinder in einem Raum sind, aber die Spritzen, Teststreifen, Röhrchen etc etc wurde alles frisch ausgepackt. Sie haben immer Handschuhe getragen und desinfiziert. Da habe ich von dem Krankenhaus in der Stadt (Mawenzi) anderes gehört. Spritzen mehrfach benutzen und generell überall rein stechen, egal ob Muskel oder Gefäß. Nun dieses Krankenhaus schaue ich mir die nächsten Tage mal an. St. Joseph war auf jeden Fall ein tolles Krankenhaus für Afrika. Der Umgang ist hier einfach ein anderer, das liegt aber einfach an der Mentalität. Bei einem Vorfall musste ich mal wieder schmunzeln. Als wir ein paar Akten weggebracht haben mit einer Schwester, lag eine Frau auf dem Boden im Treppenhaus. In völliger Ruhe hat die Schwester dann entschieden doch mal nach ihr zu schauen, wahrscheinlich schläft sie aber nur. Das machen sie häufiger..Nun es hat sich herausgestellt, dass es eine Patientin ist, die ohnmächtig geworden ist. Den Arzt musste man aber trotzdem nicht gleich holen, erst mal einen Rollstuhl und dann auf die Station bringen. Prioritäten werden hier einfach anderes gesetzt. Zuhause habe ich die Erfahrung gemacht, dass vor Ort Beine hoch gelegt werden, der Arzt gerufen wird und am „Unfallort“ alles notwendige schon behandelt wird. Nun ja, das ist Afrika..

Aufregung und Abschied – Time to say goodbye No.2

Abschied Msaranga

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Heute war mein letzter Tag im Center, in 1 Woche geht’s nach Hause! Ich habe mir extra ein paar Tage freigehalten um noch bei anderen Voluntären vorbeizuschauen, da wir momentan grade so viele im medizinischen Bereich haben. Die Krankenhäuser und andere Rehab-Einrichtungen würden mich doch sehr interessieren.
Der Abschied war traurig und wunderschön zugleich. Ich wurde schon mit lautem Gesang begrüßt, dann wurde mir die Kamera aus der Hand gerissen und los ging das Fotoshooting! Alle Kinder wurden irgendwie sitzend drapiert und alle haben sich dazu gesetzt. Ich muss mal erwähnen, Kameras sind hier noch ein riesen Highlight. Ein Bild machen und sich selbst dann sehen ist wie ein Wunder, da die meisten auch keinen Spiegel haben. Sobald du ein Foto von ihnen machst, wollen sie es auch unbedingt danach sehen. Daher hat sich Dada Simoni überall dazugequetscht wo es nur geht, man merkt, dass sie 17 ist und sich gerne zur Schau stellt 🙂 Ja genauso muss man dann auch die Kamerabedienung entschuldigen, wie man sieht, muss man das wohl auch üben 🙂
Ich habe den Tag damit zugebracht mit den Kindern zu spielen und zu kuscheln, trotz Regen waren viele da, was mich sehr gefreut hat.
Passend zur Uji-Time (Prorridge

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Nun ja wie oben schon berichtet, ist CCBRT bis heute nicht aufgetaucht. In der Zeit habe ich Neemas Schuhe fertiggestellt, die ich ihr gekauft hatte. Ein hoher Schaft soll dem Knöchel Stabilität geben und die Sohle soll mit meinen gebastelten Einlagen, den Fuß in eine optimale Position aufrichten, mit dem Ziel, dass die Muskeln nun auf eine andere Art arbeiten und das Fußgewölbe irgendwann wieder selber spannen können. Für jetzt stehen die Beine einfach physiologischer und Neema läuft sicherer und physiologischer. So wie sie vorher gelaufen ist, hat einem das die Zehnnägel hoch gerollt. Ich hoffe jetzt einfach sehr, dass das Thema weiter verfolgt wird. Ich werde bestimmt weiter in Kontakt mit Deo stehen um das zu verfolgen und das ein oder andere noch zu organisieren, zum Beispiel ein Come-back 🙂

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Fredricki und Salma

Nächste Woche wird Msaranga noch einen Corner Chair erhalten, oder hoffentlich auch 2. Diese Stühle sind so gebaut, dass Kinder, die nicht selbstständig sitzen können, die optimale Unterstützung bekommen um tagsüber zeitweise mal aufrecht zu sein vom Oberkörper her. Da wir nur einen kleinen Stehständer haben, wäre das eine Alternative um vorallem auch das Problem beim Füttern zu lösen. Dieses mit überstrecktem Kopf Reingestopfe von Porridge und Lunch ist nicht mit anzusehen und Eben und Fatu verschlucken sich regelmäßig und spucken das meiste dabei wieder aus. Ich arbeite gerade noch mit einem Fundi (= einer der was reparieren oder herstellen kann) zusammen, der für CCBRT schon solche gebaut hat. Die Idee wäre in Zukunft auch verschiedene Größen zu bekommen. Am Freitag werden die Maße genommen und dann geht das eigentlich schon recht flott. Dieses Projekt begleite ich jetzt noch und wenn nötig auch von Deutschland aus.
Zurück zum Abschied, für mich wurde dann noch eine extra große Chai-Time organisiert, beide Pfarrer und andere Leute der Gemeinde kamen zusammen und haben eine kleine Ansprache ür mich gehalten. Dann haben sie mir ein Geschenk überreicht und sich tausendmal bedankt und mich eingeladen doch wiederzukommen. Ich war sehr gerührt und es tat mir unendlich weh gehen zu müssen, aber es ist kein Goodbye für immer sondern ganz bestimmt ein „Auf Wiedersehen“!

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Danach haben sie noch für mich gebetet und ein Lied gesungen. Nachdem ich jeden nochmal gedrückt habe, tausendmal Asanthe sana (vielen Dank) gesagt habe, habe ich mich auf den Weg gemacht. Ein letztes Mal durch das Dorf laufen und Dalla fahren.
Es war wunderbar dort, es war anstrengend, frustrierend und schockierend, doch zugleich herzergreifend, lehrreich und eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte.
Von jeder Kultur kann man was lernen und hier möchte ich mir mitnehmen, mir nicht wegen allem Stress zu machen, es wird schon werden. Pole pole! Zudem macht Musik eine Therapie um so vieles besser (zumind. mit Kindern), ein Lied bei dem Hände und Füße zum Einsatz kommen und jeder zum Rhythmus was beiträgt, das macht Spaß und hat den Kindern immer so viel Freude gemacht. Die fröhliche Natur, trotz schlimmer Zustände, das ist was,     was ich mitnehmen möchte.

Time to say goodbye – No. 1

Alles wird irgendwann vorüber gehen und so war nun der Tag gekommen, an dem wir Anna tschüss sagen mussten. Ihre Reise geht nun weiter nach Zanzibar und dann zu ihren Verwandten nach Zimbabwe, Südafrika und Namibia. Im August wird sie dann wieder in die USA zurückkehren.

Es hat richtig Spaß gemacht, mit ihr zusammen zu arbeiten! Wir haben uns einfach sehr gut ergänzt mit grobmotorischen, feinmotorischen und generellen Kenntnissen über Aufmerksamkeitsstörungen, Sensi-Störungen und oft auch die Herangehensweise an verschiedene Kinder. Es war einfach toll, sich austauschen zu können und dad

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urch neue Erkenntnisse zu gewinnen, dazu zu lernen und auch Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Wir haben uns in der Mitte von PT und Ergotherapie und unserem angelesenen Wissen über Logopädie getroffen. Dieser Austausch ist doch so wichtig um einem Patienten die optimale Therapie zu bieten und seine Bedürfnisse nach Priorität zu verbessern. Ich habe das schon mal in der Früreha in Allensbach erlebt, wie Ergos, Logos und Pts die Zeit eingeplant bekommen, sich austauschen zu können. Einfach toll!

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Wir haben uns also beide von KDC verabschiedet, da ich jetzt meine letzten Tage nur noch in Msaranga tätig sein werde. Es war ein wundervoller Tag, die Kinder haben Storybooks auf Swahili bekommen für ihr Leselevel und so einige Materialien um weiter schreiben zu lernen, zu basteln und kreativ zu sein. Sie haben sich sehr gefreut und Doro war sehr traurig uns zu verabschieden. Der Pastor hat noch eine kleine Rede gehalten und uns gesegnet. Es war sehr rührend, er hat wunderbare Worte gewählt und ob man nun gläubig ist oder nicht, wenn jemand mit so viel Güte einem eine lange Umarmung gibt und sagt: „God bless you“, dann fühlt man sich geehrt und dankbar. Diese Geste hat die Arbeit dort noch unterstrichen, es hat so viel Spaß gemacht, dass es eine Leichtigkeit ist dort all seine Energie und Mühe reinzustecken und kein Geld dafür zu bekommen. Anerkennung und Dankbarkeit ist so viel mehr wert.

Als Abschiedsgesc

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henk haben wir beide ein traditionelles Tuch bekommen aus dem man Kleider, Vorhänge oder ein Baby-Tragetuch machen kann (oder was einem sonst so einfällt). Die Kinder haben uns bis zur Straße begleitet und wollten mindestens 5 mal umarmt werden, einer meiner Liebsten hatte sogar Tränen in den Augen.. Es war traurig, aber auch schön zugleich, da wir den ganzen Tag dort verbracht hatten und viel gespielt und gelacht haben.

Ich verabschiede mich mit einem schweren Herzen aber einem guten Gefühl.

In 2 Wochen verabschiede ich mich dann von Msaranga und dann geht es schon nach Hause. Die Zeit ist vergangen wie im Flug und es gäbe noch so viel mehr zu tun..so wie immer.

Für Msaragnga gab es diese Woche den Pezzi-Ball als Überraschung und die Freude war riesig, nicht nur über den Ball, sondern auch über die Pumpe, die dabei war 🙂 Da kam plötzlich ein Fußball, ein Wasserball und ein Krokodil zum Vorschein, die mit Tatkraft aufgepumpt wurden. Der Tag war ein einziges Chaos, Bälle flogen durch die Luft, Kinder wurden abgeschossen, Regale umgeworfen und dazwischen ein Gekreische und Gelache. Es war wunderbar 🙂

Die nächsten Tage habe ich ein wenig rumprobiert, wie ich ihn bei welchen Kindern einsetzten kann. Zur Zeit kommt der kleine Lennardi (eigentlich ein Hausbesuch) regelmäßig in den Center. Der Kleine kann sich kaum rühren und sobald er sich zu viel bewegt ,oder bewegt wird, bekommt er kaum Luft mehr, da ihm das Atmen so schwer fällt. Er brodelt ganz schön stark, aber er hat wohl nicht viel Hilfe vom Arzt bekommen deswegen. Ich versuche gerade noch rauszufinden, was denn sein Status ist mit Diagnose, Medikamenten etc. Das ist immer so schwierig und langwierig. Solange mache ich Atemtherapie mit ihm und versuche eine gute Position zum Atmen für ihn zu finden. Den Ball fand er bis jetzt echt toll, er lacht leider nicht oft, aber auf dem Ball liegen macht ihm wohl Freude. Er hat immer wieder einschießende Spastik und daher kann er auf dem Ball gut entspannen und die Bewegungen wahrnehmen.

Simoni macht tollen Konditionstraining mit dem Ball, er ist ja immer vorne mit dabei bei neuen Dingen! Fredricki habe ich auch den Ball gelegt und ihn so in den Vierfüßler bekommen (der Ball hat eine mittlere Größe). Es macht Spaß ein wenig Abwechslung zu haben an Therapiemethoden!

Jetzt zeige ich den Mamas, was man damit alles machen kann und ich hoffe, sie benutzen ihn fleißig weiter 🙂

Liebe Grüße

Es regnet, es regnet, die Erde wird…matschig

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Frisbee spielen mit Anna

So nachdem wir ein Monat lang alleine in unserem Apartment gelebt haben, haben wir kurzerhand 2 neue Mitbewohner bekommen. Jetzt leben wir wieder in einer richtigen Wg. Hat Spaß gemacht allein zu wohnen aber so gemeinsam ist es auch schön, da man hier doch sehr auf andere Freiwillige angewiesen ist um ein soziales Umfeld aufzubauen. Vielleicht verschwinden durch den Trubel auch wieder unsere unbeliebten Mitbewohner wie Kakerlaken. Seit 2 Wochen regnet es richtig in Moshi, davor ist unsere Gegend sehr verschont geblieben von den heftigen Regengüssen. Sehr zum Leidwesen der Bauern, die jetzt Hochsaison haben und alles Geld in Samen etc. gesteckt wird. Nun aber jetzt hat es richtig angefangen, was das Radfahren sowie das Laufen auf den Nebenstraßen echt schwierig macht. Hennedeppele und gute Schuhe sind gefragt und auch dann hat man 3 Extrasohlen mit Matsch unten dran kleben.

Noch ist das eher lustig, aber leider bleiben dadurch auch viele Kinder daheim, wodurch wir in KDC jetzt im Durchschnitt 2 Kinder da hatten. Es waren immerhin meist dieselben, was bedeutet, dass w

ir eine super 1 zu 1 Betreuung hatten und toll unterrichten konnten. Der Physiothertapeutische Gesichtspunkt ist hier etwas nach hinten gerückt, aber so ist das eben hier. Bei BCC gibt es so wenige Freiwillige, dass man einfach als PT, Ergo, Logo, Lehrer, Küchenhilfe und Spielkamerad gleichermaßen agieren muss. Aber genau das macht es so abwechslungsreich und spannend. Das unterrichten macht mir auch sehr Spaß und diese Kinder haben es so nötig. Ericki (22) und Levin (18) waren unsere Standardschüler in den letzten Wochen und sie können beide nicht lesen, schreiben nur wenn man ihnen was zum abschreiben gibt und rechnen hält sich auch stark in Grenzen. Wie sollen sie denn jemals in der Erwachsenenwelt selbstständig überleben? Levin ist mit Levina der Schlauste der Klasse und hat in diesen Wochen tolle Fortschritte gemacht, zB kann er mehr als die Hälfte des Alphabets erkennen, aussprechen und aufschreiben, was dazu geführt hat, dass er sicher Wörter überleben kann, die zB mit K anfangen und dann durch lautes Vorhersagen es fehlerfrei aufschreiben kann. So gesehen ist Swahili sehr einfach, man spricht jeden Buchstaben aus ohne Ausnahmen. Ich bin sehr stolz auf ihn!
Ericki ist da leider etwas langsamer, wahrscheinlich traut er sich auch nicht viel zu, was ihn bremst. Wenn er was zum ausmalen hat, fragt er mich dauernd, welche Farbe er wo verwenden soll, weil er nichts falsch machen will. Er ist der Größte von allen und mit Abstand der sensibelste. Er erinnert mich sehr an „Big Mike“ aus dem Film „ Blind Side“ 🙂
Das Papierprojekt geht voran, wir haben neues Material bekommen (Farbe und Gitterdraht) und können jetzt richtig effektiv arbeiten damit. Es hat 2 Monate gedauert, das zu organisieren …

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In Msaranga sind wir ganz anders gefordert, wir haben mehr Kinder denn je. Alle zusammen jetzt 14 Kinder und einige von den Neuen haben noch nie Therapie bekommen. Da denke ich mir immer, wo soll ich nur anfangen? Jetzt bin ich noch 1,5 Monate hier, viel zu kurz… Umso mehr fokussiere ich mich auf Salma für die PT, genauso wie auf Neemas Füße und Gang. Da muss ich jetzt einfach rationalisieren um in der Restzeit noch effektiv zu sein, sonst verliert man sich da völlig.
Ein Glück, dass die meisten Neuen mit ihren Mamas gekommen sind, das heißt, man kann ihnen ein paar Sachen zeigen, das Gröbste und Wichtigste in dem Moment und sie machen das dann allein in dem Center. Aber eben nicht jedes Kind hat eine unterstützende Familie.
Neulich hatten wir das Gespräch über die Familien der Kinder, wie sich herausgestellt hat, hat nur Ebeneezer, der Junge von Mama Janeth, der Leitern von Msaranga, noch Vater und Mutter. Die anderen haben zur Hälfte nur noch eine Mama, weil der Baba sie verlassen hat und die andere Hälfte hat nur noch eine Bibi (Oma), weil auch die Mutter gegangen ist. Ob nun gestorben oder abgehauen, ist wohl beides dabei. Ein krankes Kind au die Welt zu bringen ist nun mal immer noch eine Schande, und Frau hat versagt. Also verlässt man sie lieber, als dass der Ruf ruiniert wird. Und da eine Frau meist schon mehre Kinder hat, steht sie dann mit 5 oder mehr Kindern alleine da.
Und wiedermal denke ich, was für eine tolle Arbeit BCC leistet mit

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ihren Einrichtungen, bieten kostenloses Essen und Betreuung den ganzen Tag über. So ist Arbeiten gehen möglich und auch eine Mahlzeit weniger zu bezahlen.
Gerade bastele ich Einlagen für Neema, da ich die Hoffnung auf ein Treffen mit CCBRT aufgegeben habe. Nun ich habe meine Kritik an ihren Orthesen kundgetan und rede mit Becca auch regelmäßig darüber, aber ich glaube nicht, dass ich noch groß was mitbewirken kann bei der Herstellung, daher bekommt sie jetzt eine Übergangslösung von mir. Ich habe einen Fußabdruck genommen und Schuhe mit hohem Schaft besorgt. Darin wird sie dann mehr Stabilität bekommen und mit den Einlagen eine gute Position für das Fußgelenk. Damit ist zumindest ein Teil ihrer Beine schon mal in besserer Ausrichtung. Das linke Bein steht leider von der Hüfte ab falsch, das ist so nicht zu „reparieren“, aber ich versuche sie einfach in dem Umgang mit den Einlagen zu schulen, einen besseren Gang anzunehmen.
Salma macht tolle Fortschritte, das Mädel hört nicht mehr auf zu Plappern. Wenn ich mir überlege, dass aus ihrem Mund im Januar grade mal ein „Mama“ kam. Jetzt hat sie mehr Wörter drauf und das Wichtigste, sie plaudert einfach vor sich hin. Es macht nicht immer Sinn, aber zwischen durch kommen dann richtige Wörter, die sie eben schon kennt und der Rest sind Laute, wie ba, bi, la, da..etc. Das ist grade eine Dauerbeschallung von morgens weg! Die viele Stimulation tut ihr einfach gut und die Benutzung eines Trinkbechers fördert die Zungenmotorik sicher nur. Wir über auch fleißig Zunge rausstrecken, Küsse zuwerfen und Lippen ablecken. Das ist natürlich ein großer Spaß! Und wenn sie dann Zuckerkrümel in den Mundecken findet, motiviert das noch mehr und die Quietscherei geht los. Zudem hat sie eine höhere Tendenz zu offenen Händen, weg von der Faust und hin zum Abstützen am Boden. Das ist super, denn das ist ihr nächster Meilenstein!
Die Kindesentwicklung hängt einfach von so vielen Dingen ab, es kann nicht nur motorisch weiterkommen, sondern auch die Sprache muss mitziehen, genauso wie die Handmotorik und die sensorische Entwicklung. Salmalsteckt alles in den Mund, ihre Zunge ist noch die größte Erforschungsquelle, die Hände sind leider noch nicht so wichtig, aber das kommt sicher mit der Zeit. Ihr Interesse ist auf jeden Fall da und das ist, was mich so motiviert. Obwohl ich sie zur Erschöpfung treibe und ihr zum Mittagessen die Augen fast zufallen, strahlt sie mich voller Freude an, wenn ich morgens komme und schreit von weitem schon „Dada“. Zuhause gibt es leider nicht viel Kooperation für Therapie, deswegen ist es so wichtig, dass sie Tagsüber was mit nimmt.
Ich habe hier lange nach einer Möglichkeit gesucht einen Pezziball zu kaufen, aber hoffnungslos. Daher wird jetzt meine Schwester einen aus Deutschland mitbringen, den

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ich dann noch einführen kann. Viele Kinder dort könnten von sensorischen Imput profitieren und ein Ball wäre neben der Schaukel noch eine schöne Möglichkeit an manche Kinder heranzukommen. Da wäre zB. Fatuma,die auf einem Ball ganz neue Erfahrungen machen könnte und auch die Bauchlage besser tolerieren könnte oder eben auch Salma, die den Ball mehr zum Muskelaufbautraining nutzen könnte. Ich hab viel überlegt was in dem Center noch fehlt, da ich extra Spendengelder zu Verfügung habe um vor Ort was zu unterstützen, es gibt jetzt also den Ball, die Einlagen für Neema und ihre Schuhe, mehr Terabänder, da sie allzweck tauglich sind und mehr Dinge für die sensorische Förderung. Über weiteres denke ich noch nach, denn sie haben schon viel Unfug rumliegen, dass dann in die Ecke kommt und verstaubt. In dem Fall finde ich, weniger ist mehr. Die Mamas sollen begreifen und verstehen und es dann anwenden, nur so wird etwas benutzt, wenn man den Nutzen davon versteht.
So, ich hoffe, das gibt mal wieder einen kleinen Einblick. Man könnte noch so viel mehr erzählen, aber das ist dann doch besser mündlich zu erledigen. Die Tage sind gezählt und ich vermisse meine Kinder jetzt schon.

Zu Besuch bei den Massai

Habari!

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Letztes Wochenende haben wir uns die Kultur hier mal näher angeschaut und haben die Massai besucht!

Das war ein wirklich toller Ausflug, wir kennen hier einen gebürtigen Massai und der hat uns in sein Village gebracht, wo er aufgewachsen ist. Eine lange Fahrt war das bis wir endlich mitten im Nirgendwo, in einer flachen Graslandschaft ein 2 Häuschen entdeckt haben und mitten drin natürlich die Rinderherde. Seine Mama lebt in diesem Dorf mit seine Schwestern, das heißt, es gibt 2 Häuschen, mit Schlaf- und Kochplatz und dann ein Haus mit Blechdach, ganz modern. Normalerweise sind es Strohdächer und die Wände sind aus einem Matsch-Kuhmist-Stroh-Gemisch. Das ist das beste Material, billig und ausgesprochen stabil. Wir haben sehr viel über die Bräuche erfahren dürfen und vor allem auch über die aktuelle Situation mit der Regierung und was sich alles verändert hat. Das Problem ist denke ich überall ähnlich, wo die Urbanisierung aus Urvölker trifft, sie werden verdrängt, es gibt zu wenig Platz und alte Bräuche werden von Stadtnähe und Zivilisation überrollt, da gibt es dann

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halt Toast zum Frühstück anstatt frisch gezapfte Ziegenmilch um nur ein Beispiel zu nennen.

Doch unser Rafiki (Freund) hat sich viel Mühe gegeben und richtig eintauchen zu lassen in die alte Zeit und die auch heute noch zelebrierten Bräuche. Wir wurden in Tücher gekleidet, mit Schmuck behängt und haben mit ihnen getanzt und gesungen. Dabei benutzen sie ihre Füße um den Rhythmus anzugeben indem sie auf den Boden stampfen und ab und an hoch hüpfen um laut auf dem Boden aufzukommen, dazu begleiten die Frauen den Gesang mit dem Geklimper ihres Schmuckes. Irgendwie magsich.

Zum Essen wurde eine Ziege vor unseren Augen geschlachtet und ausgenommen, natürlich auf Massai-Art, sie ersticken ihre Tiere, denn wenn ein Tier schreien würde, würde es schreien: „Hilfe und tötet mich nicht!“ – Nach Massai-Gesetz müssten sie dann aufhören, daher wird dem Tier das Maul zugehalten. Nebenbei haben wir hier auch erfahren, dass Frauen während der Geburt nicht schreien dürfen, eine ähnliches Gesetz..Diese Ziege wurde dann gegrillt und im Freien verzerrt, das ist natürlich ganz besonderes Fleisch, von einem Tier, das immer draußen im Freien war und Gras gefuttert hat. Ziegenfleisch ist jetzt nicht so meins, aber probiert habe ich natürlich.

Die Nieren wurde roh von seinen Brüdern verspeist und die Leber gegrillt und als Delikatesse angeboten. Abends gab es dann noch Reis mit Bohnen, ganz bürgerlich also. Geschlafen haben wir in einem Kuhmist-Haus, umgeben von 2 brütenden Hühnern un

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d anderem Getier. Es war eine harte, schlaflose Nacht mit viel Geraschel um dich herum..ein bisschen Abenteuer. Geweckt wurden wir ganz klar von einem Kuku (Hahn), der voller stolz neben uns sein Kickeriki geübt hat. Schlaftrunken musste man sich dann erstmal den nächsten Busch suchen um aufs Klo gehen zu können und in so einer Steppe gibt es nicht viele Büsche…Nach einem netten Frühstück bei seiner Mama, haben wir dann noch Kuhblut trinken dürfen, eine heilige Tradition, die einen stärkt und gesund macht. Dazu haben sie die Kuh angeschossen in der Halsschlagader und Blut abgezapft. Danach wurde die Blutung kurz gestillt und die Kuh ist etwas in Panik zurück zur Herde gesprungen. Alles Tradition. Unser Massai hat uns dann auf eine lange Wanderung durch dieses flache, endlose Grasland genommen. Es war atemberaubend, wie kein Flugzeug am Himmel zu sehen war, nur in der Ferne ein weiteres Dorf zu erkennen war und ansonsten nichts..weites, flaches Land. Die Massai sind dafür bekannt, dass sie mit der Natur und den Tieren leben, sie schaden ihnen nicht und die Tiere lassen sie in Ruhe. Nur aus dem Grund haben sie das Recht in den Nationalparks zu leben, natürlich nur in eingezeichneten Gebieten, aber immerhin.

Es war ein Abenteuer, sehr interessant und spannend, aber ich denke wir waren alle wieder froh, als wir in unserem weichem Bett lagen nachdem alle erst einmal sich eine Dusche gegönnt haben.

Freie Tage über Ostern – Zeit für Safari!

Über Ostern hatten alle Center geschlossen, von Donnerstag bis einschließlich Dienstag. Die Meisten haben einfach die ganze Woche zugemacht. Darum haben wir die freie Zeit genutzt endlich einen unserer großen Trips in die Tat umzusetzen. Auf ging’s auf Safari!

Dieses Erlebnis ist mit nichts zu vergleichen und kann ich nur jedem ans Herz legen, wenn ihr mal nach Afrika kommt, spart nicht am falschen Fleck und geht auf Safari. Nun man muss dazu sagen, der Norden Tansanias bietet mit Abstand die meisten Highlights für Süd-Ost-Afrika auf einem Haufen. Wir waren am Lake Myanara, im Ngorongoro Krater und im Tarangire Nationalpark. Den berühmten Serengeti haben wir ausgelassen, da man allein für diesen Park mehrere Tage bräuchte um auch etwas zu sehen. Neben den Löwen im Krater, fand ich dann doch den Tarangire mit seinen Elefanten am schönsten und eindrucksvollsten. Die Elefanten kümmern sich nicht um die Autos und so standen wir zwischendurch mal in Mitten einer Elefantenherde. Kleine Babyelefanten und auch eine alte Dame mit Größe eines Bullen liefen an unserem Auto vorbei, da hab ich kurz die Luft anhalten müssen.

Es war eine tolle Erfahrung und mit unserem Guide konnte man auch gut über die Probleme mit dem Tourismus und Artenschutz reden. Ich weiß immer noch nicht recht, ob ich Safari zum Wohle der Tiere gut heißen soll  oder nicht. Denn ohne die zahlenden Touristen, könnten sie nicht in einem geschützen Gebiet leben, das nicht von Menschen besiedelt wird über Kurz oder Lang..

Hier ein paar Eindrücke:

 

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Midterm – Halbzeit

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Alle Jungs wollen helfen den Mixer zu bedienen

Anna und ich arbeiten weiter an unserem „paper making“ Projekt und haben es nun gut strukturiert und vereinfacht. Jedes Kind hat eigentlich jetzt so seinen eigenen Job, den es mit seinen Fähigkeiten gut ausüben kann und das machen sie richtig gut. Übung macht ja bekanntlich den Meister, deswegen versuchen wir so oft es geht dran zu arbeiten um den ganzen Ablauf zu üben und zu verbessern. Das Papier herstellen ist die eine Sache, die andere ist dann das Dekorieren. Hierfür haben wir uns jetzt eine neue Möglichkeit überlegt, die Kinder möglichst eigenständig arbeiten lassen zu können. Wir haben aus einem Ordner Formen ausgeschnitten wie eine Giraffe   oder Elefant und die Formen können sie nun mit Acrylfarbe und einem Schwamm bemalen. Die Karte wird dabei vom Ordner bedeckt, sodass jemand wie Levina auch ordentlich drum herum schmieren kann und es danach trotzdem hübsch aussieht. Die Kinder sind so motiviert mitzuhelfen, egal was wir auspacken, ein paar stehen schon Schlange um ganz vorne mit dabei zu sein. Man merkt ganz eindeutig, dass sich hier wenn dann die Volontäre darum bemühen, die Kinder einzuspannen.

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Levina macht Papier

Nun wir hatten ein bisschen Probleme mit der Frage, inwiefern die Kinder denn beteiligt sein sollen an dem ganzen Projekt, da unserer Auffassung nach, die Karten möglichst komplett allein von eine Kind hergestellt werden sollte, das hat sich aber mit den Vorstellung vom Office widersprochen,

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die eher „schöne“ Karten haben wollten um sie gut verkaufen zu können. Es gab zum Beispiel eine große Diskussion darüber, ob die Kinder mit ihren Namen auf der Karte, die sie selber dekoriert haben, unterschreiben sollen oder nicht. Unser Gedanke war, wir üben das mit ihnen auf Papier, jedes Kind lernt seinen Namen zu schreiben und dann können sie das auf den Karten auch machen. So haben wir fleißig geübt, jedes Kind hat nun ein Namensschild auf dem Tisch kleben und sind mächtig stolz drauf. Leider hat uns da das Office nun einen Riegel vorgeschoben, aber immerhin andern sie unsere Schwammtechnik gut. Ich verstehe aber immer noch nicht, warum sie Karten von Kindern mit Behinderungen verkaufen, die die Mamas dekoriert haben. Nun uns ist es am Wichtigsten, dass wir was an die Kinder ran bringen, wie man den Namen schreibt oder wie man etwas herstellt. Levina macht dabei sehr gut mit und ist mit Abstand die schlauste von allen, ihren Namen kann sie schreiben, sie hat nur Probleme mit der Feinmotorik. Mit einem dicken Edding kommt sie aber recht gut zurecht. Jeden Morgen findet auch erst mal eine Unterrichtsstunde statt, entweder schreiben oder Mathe, das macht richtig Spaß, aber hat auch ein bisschen gedauert bis wir den Stand von jedem herausgefunden hatten und was die Schwierigkeiten sind. Ich arbeite zum Beispiel seit gut 2 Wochen mit Eriki an dem Verständnis, dass eine Zahl + 0 immer noch die Zahl bleibt. Da wünschte ich mir manchmal Didaktik studiert zu haben. Levina kann mittlerweile im Kopf rechnen und nächste Woche führen wir unser selbst hergestelltes Spielgeld ein. Ist hier nicht so einfach damit umzugehen, da die kleinste Münze 50 Shilling sind, das sind 25 Cent. Der größte Schein sind 10 000 Shilling, was in etwa 5 Euro entspricht. Hohe Zahlen..

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Mama Simoni mit Simoni

In Msaranga geht’s auch rund. Unser kleiner Sonnenschein Simoni lockert alles auf. Dieser kleine Mann kommt morgens in den Center, schnappt sich Neemas Rollator und marschiert los, auf und ab, und hört nicht mehr auf. Dabei strahlt er und quietscht, unbeschreiblich. Und wenn dass Porridge-Time ist, gibt es ein großes Geheule, weil wir ihm den Rollator wegnehmen. Das ist natürlich eine gute Sache, aber leider macht er immer noch große Ausweichbewegungen, die wir gerne unterdrücken würden. Seine Schwester (Dada Simoni) ist aber sehr aufmerksam und hat sich unsere Übungen schon abgeschaut. Wenn wir beschäftigt sind, sehen wir sie oft Übungen von letzter Woche machen, sie scheint sich das alles gut zu merken. Das ist echt spitze, da kann der Kleine echt froh sein. Anna hat mir diese Woche eine Technik gezeigt, wie man das Terra Band um das Bein wickeln kann, damit es Simoni einfacher fällt, das Bein zu heben und auch den Fuß hoch zu bekommen. Er hat ja eine Fußheberschwäche und definitiv eine schwache Beinmuskulatur. Mit dieser Wickeltechnik läuft er schon viel besser, er muss noch ein bisschen üben und sich dran gewöhnen, aber sein Gangbild ist viel besser, so benutzt er auch die richtigen Muskeln. Am Anfang wollte er das Band nicht tolerieren, aber als Anna und ich es uns jeweils umgebunden haben, wollte er es auch unbedingt haben. Und siehe da, als wir gehen und ihm die Bänder abnehmen wollten, ist er in Tränen ausgebrochen. Aber das ist schon normal, immer wenn wir gehen weint er uns solange nach, bis wir im Gebüsch verschwinden, dann ist die Welt wieder in Ordnung. So ein süßer Fratz!
Auch Salma, unser Prinzesschen, ist sehr fleißig. Ich denke, ich werde mit ihr keine signifikanten Fortschritt erzielen, wie den Vierfüßler oder Krabbeln, das dauert einfach noch länger, aber ich sehe im Vergleich zu Januar trotzdem viel Verbesserung. Durch all den zusätzlichen Input, den sie bekommt, ist sie viel aktiver geworden. Ihr Wortschatz vergrößert sich wöchentlich und auch das Essen ist besser geworden. Ich habe ihr eine Schnabeltasse gekauft und seit dem üben wir selbstständiges Porridge essen. Das klappt so weit sehr gut. Sie ist natürlich eingeschränkt durch die Spastik in ihren Armen, aber sie kann selber bestimmen wie viel sie will und ich unterstütze nur ein wenig ihre Bewegungen. Sie freut sich sichtlich dran, denn sie kaut auf dem Becher rum, stopft das Loch mit der Zunge und macht sich sichtlich einen Spaß daraus.
Leider warte ich immer noch auf das Treffen mit dem PT aus dem KCMC Krankenhaus. Becca, vom Office, vertröstet mich ständig mit: Ja wir sind halt in Afrika.. Nun ich hoffe das Beste!

Badaaye,
Tanja