Es regnet, es regnet, die Erde wird…matschig

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Frisbee spielen mit Anna

So nachdem wir ein Monat lang alleine in unserem Apartment gelebt haben, haben wir kurzerhand 2 neue Mitbewohner bekommen. Jetzt leben wir wieder in einer richtigen Wg. Hat Spaß gemacht allein zu wohnen aber so gemeinsam ist es auch schön, da man hier doch sehr auf andere Freiwillige angewiesen ist um ein soziales Umfeld aufzubauen. Vielleicht verschwinden durch den Trubel auch wieder unsere unbeliebten Mitbewohner wie Kakerlaken. Seit 2 Wochen regnet es richtig in Moshi, davor ist unsere Gegend sehr verschont geblieben von den heftigen Regengüssen. Sehr zum Leidwesen der Bauern, die jetzt Hochsaison haben und alles Geld in Samen etc. gesteckt wird. Nun aber jetzt hat es richtig angefangen, was das Radfahren sowie das Laufen auf den Nebenstraßen echt schwierig macht. Hennedeppele und gute Schuhe sind gefragt und auch dann hat man 3 Extrasohlen mit Matsch unten dran kleben.

Noch ist das eher lustig, aber leider bleiben dadurch auch viele Kinder daheim, wodurch wir in KDC jetzt im Durchschnitt 2 Kinder da hatten. Es waren immerhin meist dieselben, was bedeutet, dass w

ir eine super 1 zu 1 Betreuung hatten und toll unterrichten konnten. Der Physiothertapeutische Gesichtspunkt ist hier etwas nach hinten gerückt, aber so ist das eben hier. Bei BCC gibt es so wenige Freiwillige, dass man einfach als PT, Ergo, Logo, Lehrer, Küchenhilfe und Spielkamerad gleichermaßen agieren muss. Aber genau das macht es so abwechslungsreich und spannend. Das unterrichten macht mir auch sehr Spaß und diese Kinder haben es so nötig. Ericki (22) und Levin (18) waren unsere Standardschüler in den letzten Wochen und sie können beide nicht lesen, schreiben nur wenn man ihnen was zum abschreiben gibt und rechnen hält sich auch stark in Grenzen. Wie sollen sie denn jemals in der Erwachsenenwelt selbstständig überleben? Levin ist mit Levina der Schlauste der Klasse und hat in diesen Wochen tolle Fortschritte gemacht, zB kann er mehr als die Hälfte des Alphabets erkennen, aussprechen und aufschreiben, was dazu geführt hat, dass er sicher Wörter überleben kann, die zB mit K anfangen und dann durch lautes Vorhersagen es fehlerfrei aufschreiben kann. So gesehen ist Swahili sehr einfach, man spricht jeden Buchstaben aus ohne Ausnahmen. Ich bin sehr stolz auf ihn!
Ericki ist da leider etwas langsamer, wahrscheinlich traut er sich auch nicht viel zu, was ihn bremst. Wenn er was zum ausmalen hat, fragt er mich dauernd, welche Farbe er wo verwenden soll, weil er nichts falsch machen will. Er ist der Größte von allen und mit Abstand der sensibelste. Er erinnert mich sehr an „Big Mike“ aus dem Film „ Blind Side“ 🙂
Das Papierprojekt geht voran, wir haben neues Material bekommen (Farbe und Gitterdraht) und können jetzt richtig effektiv arbeiten damit. Es hat 2 Monate gedauert, das zu organisieren …

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In Msaranga sind wir ganz anders gefordert, wir haben mehr Kinder denn je. Alle zusammen jetzt 14 Kinder und einige von den Neuen haben noch nie Therapie bekommen. Da denke ich mir immer, wo soll ich nur anfangen? Jetzt bin ich noch 1,5 Monate hier, viel zu kurz… Umso mehr fokussiere ich mich auf Salma für die PT, genauso wie auf Neemas Füße und Gang. Da muss ich jetzt einfach rationalisieren um in der Restzeit noch effektiv zu sein, sonst verliert man sich da völlig.
Ein Glück, dass die meisten Neuen mit ihren Mamas gekommen sind, das heißt, man kann ihnen ein paar Sachen zeigen, das Gröbste und Wichtigste in dem Moment und sie machen das dann allein in dem Center. Aber eben nicht jedes Kind hat eine unterstützende Familie.
Neulich hatten wir das Gespräch über die Familien der Kinder, wie sich herausgestellt hat, hat nur Ebeneezer, der Junge von Mama Janeth, der Leitern von Msaranga, noch Vater und Mutter. Die anderen haben zur Hälfte nur noch eine Mama, weil der Baba sie verlassen hat und die andere Hälfte hat nur noch eine Bibi (Oma), weil auch die Mutter gegangen ist. Ob nun gestorben oder abgehauen, ist wohl beides dabei. Ein krankes Kind au die Welt zu bringen ist nun mal immer noch eine Schande, und Frau hat versagt. Also verlässt man sie lieber, als dass der Ruf ruiniert wird. Und da eine Frau meist schon mehre Kinder hat, steht sie dann mit 5 oder mehr Kindern alleine da.
Und wiedermal denke ich, was für eine tolle Arbeit BCC leistet mit

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ihren Einrichtungen, bieten kostenloses Essen und Betreuung den ganzen Tag über. So ist Arbeiten gehen möglich und auch eine Mahlzeit weniger zu bezahlen.
Gerade bastele ich Einlagen für Neema, da ich die Hoffnung auf ein Treffen mit CCBRT aufgegeben habe. Nun ich habe meine Kritik an ihren Orthesen kundgetan und rede mit Becca auch regelmäßig darüber, aber ich glaube nicht, dass ich noch groß was mitbewirken kann bei der Herstellung, daher bekommt sie jetzt eine Übergangslösung von mir. Ich habe einen Fußabdruck genommen und Schuhe mit hohem Schaft besorgt. Darin wird sie dann mehr Stabilität bekommen und mit den Einlagen eine gute Position für das Fußgelenk. Damit ist zumindest ein Teil ihrer Beine schon mal in besserer Ausrichtung. Das linke Bein steht leider von der Hüfte ab falsch, das ist so nicht zu „reparieren“, aber ich versuche sie einfach in dem Umgang mit den Einlagen zu schulen, einen besseren Gang anzunehmen.
Salma macht tolle Fortschritte, das Mädel hört nicht mehr auf zu Plappern. Wenn ich mir überlege, dass aus ihrem Mund im Januar grade mal ein „Mama“ kam. Jetzt hat sie mehr Wörter drauf und das Wichtigste, sie plaudert einfach vor sich hin. Es macht nicht immer Sinn, aber zwischen durch kommen dann richtige Wörter, die sie eben schon kennt und der Rest sind Laute, wie ba, bi, la, da..etc. Das ist grade eine Dauerbeschallung von morgens weg! Die viele Stimulation tut ihr einfach gut und die Benutzung eines Trinkbechers fördert die Zungenmotorik sicher nur. Wir über auch fleißig Zunge rausstrecken, Küsse zuwerfen und Lippen ablecken. Das ist natürlich ein großer Spaß! Und wenn sie dann Zuckerkrümel in den Mundecken findet, motiviert das noch mehr und die Quietscherei geht los. Zudem hat sie eine höhere Tendenz zu offenen Händen, weg von der Faust und hin zum Abstützen am Boden. Das ist super, denn das ist ihr nächster Meilenstein!
Die Kindesentwicklung hängt einfach von so vielen Dingen ab, es kann nicht nur motorisch weiterkommen, sondern auch die Sprache muss mitziehen, genauso wie die Handmotorik und die sensorische Entwicklung. Salmalsteckt alles in den Mund, ihre Zunge ist noch die größte Erforschungsquelle, die Hände sind leider noch nicht so wichtig, aber das kommt sicher mit der Zeit. Ihr Interesse ist auf jeden Fall da und das ist, was mich so motiviert. Obwohl ich sie zur Erschöpfung treibe und ihr zum Mittagessen die Augen fast zufallen, strahlt sie mich voller Freude an, wenn ich morgens komme und schreit von weitem schon „Dada“. Zuhause gibt es leider nicht viel Kooperation für Therapie, deswegen ist es so wichtig, dass sie Tagsüber was mit nimmt.
Ich habe hier lange nach einer Möglichkeit gesucht einen Pezziball zu kaufen, aber hoffnungslos. Daher wird jetzt meine Schwester einen aus Deutschland mitbringen, den

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ich dann noch einführen kann. Viele Kinder dort könnten von sensorischen Imput profitieren und ein Ball wäre neben der Schaukel noch eine schöne Möglichkeit an manche Kinder heranzukommen. Da wäre zB. Fatuma,die auf einem Ball ganz neue Erfahrungen machen könnte und auch die Bauchlage besser tolerieren könnte oder eben auch Salma, die den Ball mehr zum Muskelaufbautraining nutzen könnte. Ich hab viel überlegt was in dem Center noch fehlt, da ich extra Spendengelder zu Verfügung habe um vor Ort was zu unterstützen, es gibt jetzt also den Ball, die Einlagen für Neema und ihre Schuhe, mehr Terabänder, da sie allzweck tauglich sind und mehr Dinge für die sensorische Förderung. Über weiteres denke ich noch nach, denn sie haben schon viel Unfug rumliegen, dass dann in die Ecke kommt und verstaubt. In dem Fall finde ich, weniger ist mehr. Die Mamas sollen begreifen und verstehen und es dann anwenden, nur so wird etwas benutzt, wenn man den Nutzen davon versteht.
So, ich hoffe, das gibt mal wieder einen kleinen Einblick. Man könnte noch so viel mehr erzählen, aber das ist dann doch besser mündlich zu erledigen. Die Tage sind gezählt und ich vermisse meine Kinder jetzt schon.

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