Autism Day!

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BCC – im Rollstuhl sitzt Deo, ein Mitarbeiter im Office

A m 2. April war „World Autism Day“, diesen Tag hat der Rehab Center von meiner Freundin groß gefeiert. Arndis ist aus Island und auch Ergotherapeutin, sie ist mit Max zusammen angekommen und arbeitet im Gabriella Rehab Center für autistische Kinder. Daher hat Gabriella’s eine Parade mit Feier organisiert an dem auch andere Einrichtungen teilgenommen haben, es wurde demnach eher zu einem Tag für Kinder mit Behinderung. Morgens haben sich alle getroffen und gesammelt, darunter auch ein paar Kinder von BCC, leider aber nicht unsere, da diese letzten Dezember am eigentlich Tag der Behinderung teilnehmen durften. So war BCC eher klein vertreten, aber immerhin. Was ich sehr interessant fand, war eine Gruppe von Kindern, die an Albinismus leiden. Man sieht ab und an welche auf der Straße, aber nur Erwachsene und wirklich selten. Es fällt hier einfach sehr auf unter all den Afrikanern. Albinismus ist hier nochmal ein ganz eigenes Thema, in den Städten herrscht mittlerweile mehr Akzeptanz, aber in den Dörfern, werden sie noch immer getötet oder misshandelt. Die Knochen sollen anscheinend Glück bringen. So ein Schwachsinn!

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Dann ging es los auf die Straße, mit Blasmusik sind wir alle zusammen in einem Umzug durch die Stadt gelaufen, haben Schilder hochgehalten und zwischen durch gab es auch eine Tanzeinlage, wie die Afrikaner halt so sind 🙂 Es hat viel Aufsehen erzeugt und das hat mich durchaus überwältigt. Für so ein Land war das ein mutiges und großes Zeichen. Kinder, die normalerweise hinter verschlossenen Türen leben, nicht gezeigt werden, für die sich die Familie schämt, Frauen sogar von ihren Männern verlassen werden, weil sie ihnen kein gesundes Kind geschenkt haben und die Kinder daher oft misshandelt werden, diese Kinder gehen auf die Straße und zeigen sich: Schaut her, uns gibt es! Wir sind auch Menschen wie du und mit Sicherheit haben die meisten von ihnen ein größeres Herz als so mancher der Zuschauer..

Nach der Parade haben sich alle im Schulhof gesammelt und auf die „VIP person“ gewartet, ein Regierungsvertreter, der eine Ansprache halten sollte. Solange gab es Musik und Tanzerei, dabei hat sich jede Einrichtung vorgestellt. Das ging so, 2 Tro

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mmler und ein Sänger haben immer wieder dasselbe Lied gesungen: „Wo sind die Kinder von Gabriella? Wo sind die Kinder von Gabriella?“ Daraufhin sind alle Kinder von Gabriella Rehab aufgestanden und haben zurückgesungen: „ Wir sind hier!“ Das ging solange bis alle von ihren Sitzplätzen in den Kreis einiger Mitarbeiter getanzt sind, ein bisschen im Kreis getanzt haben und dann die nächste Einrichtung ausgerufen wurde. „Wo sind die Kinder von BCC?“ Und Anna und ich sind mit den Kindern in den Kreis getanzt. Das war eine tolle Sache. Dann hat der Mann von der Regierung seine Rede gehalten, leider auf Swahili, so konnten wir nichts verstehen, aber anhand der Zwischenrufe, die eindeutig der Zustimmung galten, war es wohl eine gute Ansprache. Am Ende hatten wir einen tollen Tag, haben einen großen Eindruck in Moshi hinterlassen und es scheint mir, als wäre Tanzania auf dem richtigen Weg in Richtung Akzeptanz für Menschen mit Behinderung.

 

Mehr Fotos unter Bilder

Fortschritte und Gespräche – Schluss mit „polepole“! ;)

In den letzten 2 Wochen ist wieder allerhand passiert. Ich hab zum einen endlich Gesellschaft bekommen, genauer gesagt ist Max angereist und bleibt nun 5 Monate hier und arbeitet im Institut of Technology hier in der Stadt. Wir sind beide sehr glücklich wieder beieinander zu sein.
In Msaranga ging es auch hoch her, wir haben schon wieder Zuwachs bekommen. Der kleine Simon scheint jetzt auch öfters in den Center zu kommen. Ein so goldiger Kerl, der es schon versteht mit uns Frauen zu flirten. Innerhalb kurzer Zeit hatte er uns alle schon um den Finger gewickelt.
Er müsste etwa 3 Jahre alt sein und ist motorisch eingeschränkt. Geistig scheint er gesund zu sein, denn er versteht was man ihm sagt. Der Kleine ist ganz begeistert vom Laufen lernen, er rennt eigentlich den ganzen Tag mit einem kleinen Rollator aus dem Center rum und macht auch nicht halt vor Matratze, Spielzeug oder Kindern. Dabei fährt er dann gnadenlos über die Beine der anderen, wenn man mal nicht aufpasst oder er verschwindet einfach nach draußen und man wundert sich wie er die Treppe runter gekommen ist. Seitdem ist die Tür nun immer zu. Simon hat eine deutliche Fußheberschwäche, dh. er kann beim Laufen seinen Fuß nicht ausreichend anheben um ein schönes Gangbild zu haben, stattdessen hängt der Fuß nach unten und deshalb müsste er das Bein ja viel höher heben, da das aber viel anstrengender ist, zeigen die Meisten eine Kompensationsbewegung zur Seite aus der Hüfte raus. Darum läuft Simon mit Rollator, schwenkt seine Beine seitlich raus um sie nach vorne zu bringen, dabei steht er nicht aufrecht sondern leicht gebückt. Ich vermute stark, er hat einen zu schwachen Gluteus, also für die Streckung in der Hüfte um au

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frecht stehen zu können. Da der Junge ja „sein ganzes Leben“ noch nicht richtig gelaufen ist, hat er den Muskel bis jetzt ausgespart zu benutzen. Anna und ich haben letzte Woche dann mal einen Peroneuswickel bei ihm gemacht, das ist ein Wickel aus einer Bandage um den Fuß zu unterstützen nicht nach unten zu hängen. Damit wollten wir ein besseres Gangbild erreichen, damit er auch die richtigen Muskeln einsetzten kann. Es sah ein bisschen besser aus, der Kleine ist aber schon ziemlich an sein Muster gewöhnt, das muss man ihm erstmal austreiben und zudem ist es so ja auch noch viel anstrengender, also warum die schwierige Art wählen? Zudem war er nicht so glücklich darüber etwas am Fuß zu haben. Nun wir werden ihn daran gewöhnen und immer länger dran lassen. Anna hat auch noch ein paar andere Ideen, wir werden sehen, was am besten funktioniert.
Ansonsten hätte diese Woche eigentlich schon ein Gespräch zwischen dem Physiotherapeuten des KCMC (örtliches Krankenhaus), der Zuständigen für Hilfsmittelversorgung von BCC und Anna und mir laufen sollen, da wir um mehr Informationen gebeten haben wegen der Orthesenversorgung (vorallem Neemas) und über Fredrick. Meiner Meinung nach sind die steifen Orthesen völliger Schwachsinn, keine Ahnung was man
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sich dabei gedacht hat, das konnte mir bis jetzt eben keiner erklären und auch Anna ist der Meinung, welche mit mobilen Gelenkteil für den Knöchel wären am besten geeignet. Und über Fredrick haben wir uns Gedanken gemacht, da er einen Fuß operiert bekommen hat in 2008 um seine Wade zu verlängern, aber der andere ist immer noch verkürzt. So kann er auf einem Fuß stehen, so ist denn da der Sinn? Kann natürlich sein, dass es aus medizinischen Gründen nicht ging oder sogar wegen der Finanzen, aber das wäre einfach mal gut zu wissen. Nun hoffe ich, dass das Treffen diese Woche stattfindet. Ich bin sehr gespannt und freue mich auch sehr darüber, dass Becca vom Office mir gegenüber da sehr offen war und meine Anregungen sofort aufgenommen hat. Das ganze BCC scheint mir doch etwas unorganisiert zu sein, da so viele verschiedene Organisationen da Geld reinstecken, unterstützen und einmal im Jahr vorbeischauen, etwas tun und dann wieder gehen ohne mit den anderen zu sprechen. So hab ich neulich eine PT aus Australien kennengelernt, die ist dafür zuständig die Hilfsmittel in Stand zu halten, aber von den Orthesen wusste sie nichts. Es klingt etwas danach, dass es eine Spende gab und die dann ohne viel Absprache in ein Projekt gesteckt wurde, wie Orthesenversorgung. Das hat dann der PT von KCMC übernommen, aber ohne ihn angreifen zu wollen, aber viel kann sich dabei nicht gedacht worden sein. Nun wie gesagt, ich bin gespannt auf Erklärungen, ich lerne ja auch noch!
Anna hat diese Woche mit Neema und James ein paar Unterichtseinheiten angefangen. Beide sind ja sehr motiviert zu lernen und zu schreiben. James ist mit ihren laminierten, vorgeschriebenen Schreibübungen sehr gut zurecht gekommen (a, e, i, o, u nachschreiben). Neema tut sich etwas schwerer mit der Feinmotorik. Aber kaum packt Anna ihren Edding aus, kommen beide angestürmt und wollen etwas tun, ganz toll! Anna sagt selber, ihr ist es etwas lieber mehr mit den Händen zu arbeiten, da sie als Ergotherapeutin da einfach mehr Wissen drüber hat als die Orthesenvers
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orgung von Neema. So kann ich mich um die anderen kümmern und die zwei werden endlich auch mal mit einbezogen. Bei so vielen Kindern, bleibt leider so viel links liegen. Aber es wird, zu zweit sind wir viel besser.

Viele liebe Grüße!

 

PS: Ein paar neue Bilder kommen auch noch und die hier hat James gemacht und noch gefühlte 100 mehr mit nur halben Körpern drauf 🙂

Marathonfieber!

Diese Woche habe ich viel in Msaranga verbracht, da Anna spontan beschlossen hat den Kilimanjaro zu besteigen. Am Mi kam sie zurück und hat mir ausführlich berichtet! Ich habe ja schon so einige Geschichten gehört und auch im Reiseführer wird mal nebenbei erwähnt, dass es durchaus jedes Jahr einige Todesfälle gibt wegen Überschätzung der eigenen Leistung, aber so hautnah habe ich noch keinen Bericht gehört wie ihren. Hier kann man unterschiedliche Touren buchen, das heißt 5-7 Tage-Touren. Das kostet um die 1500 USD, wenn nicht sogar mehr wegen der Ausrüstung. Anna ist in 6 Tagen hoch und sie hat erzählt, dass die ersten 4 Tage wirklich toll waren, doch dann wird die Luft knapper, alles anstrengender und man kommt langsamer voran. Am 5. Tag machst du die Summitbesteigung. Sie hat erzählt, sie seien um 3 Uhr nachts losgelaufen, nach einem kompletten Wandertag, 6 h bis zur ersten Spitze. Dort war sie kurz davor aufzugeben, ihre genauen Details, wie schwach sie sich gefühlt hat und wie schlecht es ihr ging, lasse ich mal aus. Aber dein Körper scheint wohl echt an die äußersten Grenzen gebracht zu werden. Sie meinte, sie hat eigentlich nichts gegessen und ist in Minischritten den Gipfel rauf. Wie gesagt, an der unteren Spitze musste ihr Guide sie wirklich pushen, da sie sonst auf der Stelle eingeschlafen wäre und wegen des Sauerstoffmangels darf man dort ja nicht lange bleiben. Unvorstellbar, dass sie trotzdem die 2 h bis zum Peak noch weitergelaufen ist. Dort verweilte ihre Gruppe dann etwa 20 min und dann ging es auch schon wieder bergab. Man wandert also 5 Tage, macht körperliche Qualen durch wegen 20 min.. Am selben Tag sind sie also noch 4 h abgestiegen und den Rest am 6. Tag. Sie ist jetzt, 3 Tage nach der Besteigung immer noch müde, hat Sonnenbrand auf den Lippen und ein geschwollenes Gesicht. Ein Freund von mir, spürt nach 1 Woche immer noch nicht seine Zehen. Aber irgendeinen Reiz muss es ja haben. Vielleicht, wenn ich mal zurückkomme und Zeit hatte mich angemessen darauf vorzubereiten, werde ich das auch mal machen. Aber dieses Mal fehlt mir nicht nur das Geld, auch die richtige Ausrüstung und die körperliche Kondition. Ich denke, ich halte mich mal eher an den Mt. Meru, der ist „nur“ 4000m hoch 🙂

Die Arbeit in Msaranga war der übliche Trott, die Kinder machen sich gut, vor allem Salma. Neema und ich machen uns momentan immer ein Spaß daraus, sie irgendwo im Raum abzusetzen und sie dann zu uns robben zu lassen. Dabei locken wir sie mit einem ihrer Lieblingsspielsachen oder Essen. Neema hilft ganz toll mit, während sie sie lockt und anfeuert, kann ich sie an den Beinen gut unterstützen. Ich möchte nicht, dass sie den Spaß dran verliert und ihr Ziel nicht erreicht. So helfe ich ihr ab und an, damit sie wieder ein großes Stück voran kommt. Die Intention soll aber immer von ihr aus kommen, dh. wenn sie ihr linkes Bein anbeugt, dann helfe ich ihr auch damit, wenn sie gar nichts tut, dann helfe ich auch nicht, sondern feure sie wieder an. Sie macht das ganz großartig und man merkt ihr an, wie ihr das gefällt mehr „selbstständig“ sein zu können. Neema ist auch große klasse, langsam scheint sie mich zu mögen und hilft mir bei der Therapie. So kann ich Salma auch mal im Stehständer lassen und Neema passt auf sie auf und solange schon mal jemand anderen therapieren. Auch James hilft mit. Da merkt man, was für ein Gruppengefühl die alle haben. Obwohl manche von ihnen nicht mal sprechen, werden sie immer mit einbezogen und um sie gekümmert. James ist zB. immer da, wenn wieder jemand gewickelt werden muss oder bespaßt Fatuma, auch wenn sie absolut null Reaktion zeigt auf das was er tut.

In Rau haben wir diese Woche auf den Marathon trainiert. Der findet am Sonntag statt und die ganze Stadt steht jetzt schon Kopf. Da kam ich mir 2 Monate vor wie ein M

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Liegestützen oder den schöneren Purzelbaum. Sie hatten viel Spaß und in der zweiten Hälfte habe ich mit ihnen ein wenig Aerobic und Dehnen in der Gruppe gemacht. Ich hab schon ein paar Lieder gelernt, mit denen kann man sie toll motivieren. Danach haben wir noch Ballspiele gespielt, wobei Levina gut geübt hat, einen kleinen Tennisball zu fangen und werfen. Sie hat sich echt gut angestellt. Und auch Moodie hat schnell begriffen um was es sich bei „Schweinchen in der Mitte“ handelt, hätte ich nicht gedacht, dass er das versteht. Alles in allem ein sehr spaßige Woche.

Viele Grüße und mehr Bilder auf: Bilder

2 Center, viele Kinder, viele Probleme aber auch viel Schönes!

Habari!

So die erste Woche des Switchen ist nun vorbei. Es waren viele neue Eindrücke und in Rau fange ich ganz von vorne an mit Einleben und Einarbeiten, aber das ist ja ganz klar. Ich habe nun 2 Tage in Rau verbracht und mich im Unterrichten und Basteln geübt 🙂 Anna zeigt mir noch alles, da der Center einfach auch einen anderen Ablauf hat und andere Bedürfnisse, da muss ich erstmal reinkommen. Am zweiten Tag haben wir schon mehr machen können, ich hab nicht nur unterrichtet, sondern auch mit den Kindern draußen Ball gespielt. Hier ist es nicht so einfach möglich, den Kindern zu sagen was sie tun sollen, damit ich sehe was sie denn für Schwierigkeiten haben, drum hab ich ihnen ein Fußball hingeworfen und der Rest war ein Selbstläufer. Also wenn die Afrikaner auf einen Sport abfahren, dann ist es Fußball und da in Rau ja fast nur Jungs sind, war das gar kein Problem. Ich habe trotzdem versucht etwas Struktur reinzubringen, eine Art Fußballtraining mit Ball stoppen, dann erst kicken etc. Danach haben wir noch den Ball im Kreis geworfen und versucht einen Korb zu treffen. Das ging alles sehr gut, die Schwächen waren schnell zu erkennen und ich denke schon allein der Ball ist ein wunderbares Trainingsmittel für die Meisten! Aber nebenbei muss ich auch erstmal ihr Vertrauen gewinnen, damit sie auch gut mitmachen!

Wegen des Kartenbastelns gibt es leider immer noch zu wenig Material, aber immerhin haben am Mi 2 Kinder fleißig mitgeholfen zu kleben und zu schneiden. Das hat viel Spaß gemacht.

Anna hat nun auch Msaranga kennengelernt und ist auch sehr begeistert davon, mehr Hand anlegen zu können. Wir haben gemeinsam alle Kinder angeschaut und Ideen ausgetauscht, es war schon am ersten Tag viel einfacher die Kinder zu handlen. Leider musste ich feststellen, dass in der Zeit, die ich in Kilboroloni verbracht habe, hier in Msaranga nichts gelaufen zu sein scheint. Also zumindest von den Dingen die ich normalerweise tue, wie Salma in den Stehständer stecken. Den hab ich aus der Ecke unter ganz viele Kissen wieder rausgekramt. Das muss sich noch ändern bis ich gehe. Ich überlege, ob ich nicht eine Art Physio-Plan für die Kinder erstelle. Sie haben das schon für ihre Aufgaben, wie „Fegen“ oder so, aber nicht für die Therapie.

Mama Janeth hat auch Anna dann in Beschlag genommen, sie zeigt gerne was sie alles mit den Kinder macht und frägt dann : „good exercise?“ und erwartet ganz klar ein Ja. Anna hat mit mir danach auch über sie geredet und bestätigt, was ich auch den letzten Monat über dachte. Janeth macht es einem manchmal nicht leicht, sie macht viel mit den Kindern und das ist auch schön, das will man ja nicht verbieten, aber das ein oder andere sollte sie einach lassen. In Annas Fall war es so, dass sie Fredrick unbedingt zum Stehen bringen wollte und sie macht das so lange bis er steht, dann hat sie ihn gelobt und mit ihm gespaßt, hat aber nicht gesehen, dass Anna, die mitgeholfen hat bei der Prozedur, eigentlich sein ganzes Gewicht gehalten hat und er selbst kaum gearbeitet hat. Da es ihr erster Tag war, hat sie nichts gesagt, aber vielleicht können wir da gemeinsam mal noch ein bisschen Klarheit schaffen. Janeth sagt mir auch gerne, was ich tun soll. Es hat Anna dennoch gut gefallen und das wird bestimmt gut!

Morgen beginnt eine neue Woche und ich freue mich schon drauf!

Viele Grüße,

Tanja

 

PS: Am Wochenende ist der Kilimanjaro-Marathon hier in Moshi! Wir überlegen daran teilzunehmen, an dem „Fun Run“ natürlich 🙂

NEWS – neue Ideen, neuer Plan, neue Kollegin

Das waren jetzt knapp 2 Wochen, in welchen viel passiert ist, viel geändert und hin und her geschoben wurde.

Ich bin erst einmal umgezogen, aus der Gastfamilie in eine WG mit 2 anderen Volunteeren aus Deutschland. Das hat schon viel Veränderung mit sich gebracht, einkaufen, anderer Arbeitsweg, anderer Tagesablauf. So langsam habe ich mich eingewöhnt und mir gefällt es richtig gut mit Lena und Elin. Lena kommt aus Bayern, bemüht sich aber Hochdeutsch zu sprechen und Elin kommt von der dänischen Grenze, sie bemüht sich unser Deutsch nicht ständig zu kritisieren. Für sie spreche ich auch Dialekt, aber wenn sie Sprüche auf Platt klopft, verstehen wir auch kein Wort mehr. Alles in allem eine kleine Multikulti-WG innerhalb Deutschlands 🙂

Zweitens habe ich mir meinen zweiten Center anschauen können letzte Woche. Ich war ein Tag dort und war schon etwas unglücklich mit der Gesamtsituation, es gibt ein Mädchen, die schon sehr schlimme Fehlstellungen und Verkürzungen hat, das ich gar nicht wusste wohin mit ihr. Mein erster Tag wurde unterbrochen von 2 Besuchen aus Schweden. Jeweils ein ganzer Dallah voll mit mitzwanziger Schweden hat sich den Center angeschaut, kurz die Kinder kennengelernt, Geschenke überreicht und sind wieder abgefahren – da wundert es mich wenig, dass die Meinung über Mzungus (besseres Swahili Wazungus) so festgefahren verdreht ist. Das Schöne war, das unter den Schweden eine Amerikanerin war, die hier als Volunteerin bis Juni arbeitet. Sie ist Ergotherapeutin und in einem Center namens Rau. In den Staaten ist das ein Studium und sie hat bis zum Master studiert. Sie wollte mich unbedingt kennenlernen, da sie nicht so glücklich mit ihrer Arbeit im Center ist, daraufhin haben wir uns zum Kaffee getroffen und kurzerhand entschlossen zum Office zu gehen und einen neuen Plan zu machen.

So die neue Idee ist, wir switchen beide zwischen unseren Centern und arbeiten zusammen. Das heißt 2 Tage Rau, 2 Tage Msaranga und jeweils 1 Tag allein. Das hat die Vorteile, dass ich mit meinen Schwerbehinderten 2 weitere helfende Hände habe, genauso wie jemand mit Ideen und Fachwissen. Das heißt, wir können mit den Größeren mehr machen und generell kommen mehr Kinder zum Zug am Tag. Und in ihrem Center habe ich dann eine Pause von der „Hands-on-Therapie“ und mache mehr Richtung Psychomotorik, da die Kinder alle Laufen können, aber nicht mehr. Springen, Rennen bzw. Feinmotorik ist auch bei ihnen schlecht. Es wird eine Mischung aus Handarbeiten (zur Zeit Papier selber herstellen), Unterrichten (im Sinne von Schreiben lernen und Möglichkeiten für die weniger Geschickten finden) und Sportangebote verpackt in Spiele. Ich bin sehr glücklich mit der Entscheidung ein bisschen Abwechslung zu haben, da ich durchaus etwas frustriert war die letzten 2 Wochen.

Die Kinder stelle ich dann am Wochenende vor und bis jetzt gespannt was der morgige Tag bringt, der 2. in Rau.

Viele Grüße!

PS: Es hat schon 2 mal geregnet in der letzten Woche, manche sagen es wäre der Beginn der Regenzeit.

Erste Erfolge

Mambo!

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Und wieder ist eine Woche verstrichen. Es tut sich langsam was, am Montag geh ich in das Center Kilboroloni. Anscheinend gibt es dort eher fitte Kinder, wo nur 2-3 Therapie brauchen. Das sagen die Mamas hier, aber es schwingt auch ein bisschen mit, dass sie mich als Therapeuten nicht teilen wollen. In Msaranga sind wohl die Kinder mit dem höchsten Behinderungsgrad und der höchsten Anzahl. Wie man aus dem Bericht über die Kinder ja erkennen kann, gibt es hier viel zu tun, aber ich finde die Arbeit auch sehr bedrückend. Eigentlich sind es ja nur einzelne, bei denen man tatsächlich eine Verbesserung bemerken könnte. Bei den anderen besteht die Therapie ja leider eher aus : Prophylaxe für Krankheiten, den Ist-Zustand erhalten und ein bisschen Freude vermitteln. Ich freue mich drauf noch etwas anderes zu sehen, denn langsam verstehe ich warum, so weit ich aus meinen Praktika weiß, in Deutschland jeder Therapeut nur einzelne Schwerbetroffene betreut. In der Regenbogenschule, zum Beispiel, hatte jeder Therapeut nur ein schwerbehindertes Kind.

Aber trotz allem gibt es schon erste Erfolgsgeschichten zu berichten! Ich bin so stolz auf meine kleine Salma. So sehr sie auch verwöhnt ist und ein Prinzesschen hat sie durchaus einen Kampfgeist und versteht was ich von ihr will bzw. was es ihr bringt! Ich war so erstaunt als ich sah, dass sie letzten Freitag schon erste Anzeichen gezeigt hat für den nächsten motorischen Entwicklungsschritt. Ich über mit ihr den Vierfüßler, dh. Beine unter den Körper ranziehen, hochstützen, Kopf oben halten. Kräftigt grob gesehen alles und wäre einfach ihr nächster „Meilenstein“ wie man das so nennt. Nun da sie in Rückenlage zumindest manchmal jetzt schon die Arme hochnimmt und die Beine anzieht, war ich ja schon zufrieden, aber nun hat sie in Bauchlage einfach selbstständig die Beine angezogen, den Kopf oben gehalten und zumindest versucht sich hochzustützen. Das gleich schon einem Robben auf der Stelle. Nun diese Woche gab es als Snack zwischendurch für die Erwachsenen Pommes zum essen. Salma liebt Pommes, daher lag sie gerade auf dem Boden, schrie schon unaufhörlich „Dada!“ (Schwester und hier Synonym für alle Frauen, die noch keine Mamas sind). Und dann fing sie tatsächlich an sich mit Beinen und Händen über den Boden zu ziehen. Da ihre Arme leider Tonus aufweisen, ist das mit dem Stütz schwierig so allein für sie, aber sie hat das echt gut gemeistert und nach einem Meter höchst anstrengender Arbeit gab es dann eine Pommes zur Belohnung. Ich bin sehr Stolz auf sie. Das war mit Abstand das aktivste was ich je von ihr gesehen hab. Aber auch so merkt man, ist sie viel agiler, hält länger durch in ihren Übungen und im Stehständer steht sie schon lange Zeit frei. Das bedeutet, Füße und Becken sind fixiert, aber der Oberkörper ist mobil und daher muss sie kräftig arbeiten mit Bauch und Rückmuskulatur. Auch as greifen und damit Hand öffnen üben wir dann. Würde sie daheim auch unterstützt werden, wäre sie sicher noch besser, aber for now bin ich sehr zufrieden mit ihr.

 

 

Das Essen will sie immer von mir bekommen, daher habe ich das jetzt durchgesetzt, dass sie im Sitzen im Stuhl gefüttert wird und nicht im Liegen. Den Porridge trinkt man hier ja, daher hab ich mit ihr jetzt das Löffeln aufgegeben und helfe ihr beim aus dem Becher trinken. Sie setzt sogar ihre Arme ein um den Becher selber zu halten. Seit dem macht sie ihn immer leer. 🙂

Neulich haben wir die Sitz-Hängematte rausgeholt und jeder durfte mal schaukeln! Ich bin imer wieder erstaunt, was die Mamas für Materialien hervorzaubern.

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klappt, weil das Mädchen einfach schon so steif ist. Aber die Wirbelsäule ist schon so steif in gebeugter Haltung, dass ich nicht glaube, dass sie jemals gut sitzen wird. Trotz allem aktiviere ich ihren Rücken in Streckung.

Trotz der Erfolge ist und bleibt es ein Kampf, begleitet mit viel Frustration sich hier durchzusetzen und manchmal ist es echt zum Verzweifeln. Aber die schönen Momente machen es wieder gut! Man hat mich ja vorgewarnt, dass es auch frustrierend sein kann. Ich freue mich auf Abwechslung ab Montag.
Ich freue mich über jedes Kommentar oder Idee.

Ganz liebe Grüße aus der Hitze!

Eure Tanja

 

PS: Nun sind auch alle Kinder vertreten, schaut doch nochmal rein unter Die Kinder

Bilder

Meine Lieben, ich habe jetzt endlich ein paar Bilder online stellen können! Siehe unter : Bilder

Und wer sich darüber Gedanken macht, ich habe die Erlaubnis Bilder der Kinder online zu stellen 🙂

Eine schöne Woche euch noch!

Hakuna Matata – Das afrikanische Leben

Neben der Arbeit gibt es natürlich auch ganz viel zu erleben und zu entdecken. Es ist nicht nur eine ganz andere Kultur, sondern auch anderes Essen, Verhalten und Art und Weise des Lebens.

Die Kultur besagt quasi, dass die Familie über alles steht. Im Grunde auch über das Gesetz. Eine Frau wird irgendwann in ihrem Leben von einem Mann ausgesucht, der geht dann zur ihrer Familie und bespricht mit dem Baba wieviel er für sie zahlen würde.  Stimmen die Vorstellungen überein, kann er sie eigentlich schon am nächsten Tag heiraten. Die Männer, die mir das erzählt haben, lachen viel darüber, weil sie sagen, wenn du denkst, ja jetzt möchte ich heiraten, kannst du schon am nächsten Tag verheiratet sein. Die Frau muss dann mit dem Mann gehen und ihm Kinder schenken. Meistens sind es dann Großfamilien mit 5-6 Kindern. Der Mann genießt die höchste Autorität, dann die Mama und dann die Kinder. Heirat ist hier auch ein muss, je nach Religion, aber einfach nur in einer Partnerschaft leben gibt es hier nicht, scheiden lassen kann man sich allerdings schon. Ich habe eine Frau kennengelernt, die wurde mit 5 Kindern sitzen gelassen, weil das letzte behindert auf die Welt gekommen ist. Sie hat also als Frau versagt und der Mann sucht sich eine Neue. Hier in Tansania spielen die Stämme noch eine große Rolle. Der Stamm, der um Moshi verbreitet ist verbietet es mehr als eine Frau zu haben, aber die Massai zum Beispiel haben 10 Frauen auf einmal. Diese strengen Strukturen lösen sich aber auch hier mit der Zeit. Adelina, meine Betreuerin, erzählte auch, dass es immer lockerer wird. Es gibt genauso auch Heirat aus Liebe, dennoch muss der Mann bezahlen. Und Frauen können hier durchaus auch einen Beruf ausüben, der darf aber nicht besser sein als der des Mannes. Aber die autoritäre Erziehung herrscht weiter vor. Samwel, mein Gastbruder, hat mir das erklärt. Du bist „volljährig“, wenn dein Baba das sagt. Natürlich darfst du mit 18 wählen gehen, aber das heißt nicht, dass du raus darfst solange du willst, oder überhaupt deinen Weg gehen. Ausziehen, studieren oder sich frei bewegen könnnen darf er erst, wenn er die Erlaubnis hat. Solange muss er hier wohnen und für die Familie arbeiten und mithelfen. Er sagt, wenn er hier ein Mädchen mitbringen würde, dann müsste er sie auch heiraten, darum spielt er immer ein bisschen verstecken mit seinen Eltern um mal ein Mädchen zu treffen.

Das Essen ist eher einfältig, es gibt immer Reis, Reisbrei oder Kochbananen, dazu gibt es dann Bohnen, Kürbisblätter oder sogar auch mal Fleisch. Die Banen kann man auch zermatschen oder grillen, aber im Endeffekt, ist es eigentlich immer dasselbe. Wenn man in ein Restaurant geht, bekommt man auch mal Snacks serviert, die gibt es in den Familien nicht so häufig, das sind meistens verschiedene Teigspezialtitäten, die frittiert worden sind. Fleisch, Eier und Gemüse sind hier hoch im Kurs. Wer sich kein Fleisch leisten kann ist Reisbrei mit Bohnen. Zum Essen wird mir immer nur ein Löffel serviert oder gar nichts, dann geht das mit der Hand. Deswegen gibt es in jedem Essensraum auch Waschbecken.

Das Verhalten der Afrikaner ist auch sehr anders, sie scheinen es zu mögen sich zu unterhalten. Ob sie dich kennen oder nicht, ist egal, hauptsache man hat mal ein „Mambo“ oder „Habari“ gerufen. Es zu ignorieren scheint sehr unhöflich zu sein, aber grade als Mzungu (Europäer/Weißer) würde man ja nicht voran kommen, wenn man auf alles antworten würde. Wenn ich zur Arbeit fahre, fahre ich an einer Schule vorbei, wo ich mir morgens und nachmittags einen Chor aus: „Hey Mzungu!, Mambo! Good morning! Mzuuuuunguuuu!“ anhören darf. Das „good morning“ höre ich auch abends, das ist halt das bisschen Schulenglisch hier 🙂 Ansonsten sind Afrikaner sehr laut, pulen sich in der Nase und rülpsen,  alles ganz normal hier. Die Höflichkeit zeigt sich in der Sprache, es gibt 4 verschiedene Versionen jemanden anzureden, je nach Stand/Alter/Autoriät/Religion. Damit zeigt man Respekt.

Zum Leben hier ist zu sagen, dass hier jeder der was auf sich hält ein Auto hat und das auch immer benutzt, derjenige fährt kein Bus. Wer sich kein Auto leisten kann, fährt Motorrad. Das ist eiegntlich ein sehr gutes Fortbewegungsmittel, weil nicht alle Straßen geteert sind. Darum gibt es hier auch die „Peaks“, das sind Taxifahrer auf dem Motorrad. Der Dallahdalla fährt nur auf geteerten Straßen und die „dirty roadas“ sind teilweise sehr lange zum laufen, da kann man auf ein Peak umsteigen. Nun und die Ärmeren fahren tatsächlich Fahrrad, wobei das meistens auch ihre Arbeit ist, dh. sie fahren in die Stadt, bocken ihr Rad auf, oder lässen das Rad in den Gulli hängen und fangen an Messer zu schleifen, auf dem drauf montierten Schleifstein. Alles ist möglich. In Moshi sitzten auch an jeder Ecke Näherinnen mit manuellen Nähmaschienen, wie meine Oma sie noch hatte. Die machen die schönsten Kleider.

Das Lebensmotto hier besagt: Hakuna matata, mach dir keine Sorgen und polepole, immer schön mit der Ruhe. Pünktlichkeit gibts nicht, wenn du ein Termin hast, heißt das nicht, dass er auch eingehalten wird. Das kann schon mal sehr ärgerlich sein, aber in manch schweren Situationen begrüßt du auch, dass es dir jetzt keiner Übel nimmt. Es gibt wenig Streiterein oder Probleme. Es geht halt alles etwas langsamer. Fragt man jemand wie er Deutschland fand, als er mal da war, meinen die meisten: „oh the people are so stressed..“ Aber meistens fanden sie Europa trotzdem sehr toll.

So das war ein kleiner Schwank aus dem Leben hier, Fortsetzung folgt…

 

2. Woche – immer noch Msaranga

Habari,

der 2. Center hat immer noch zu. Wie ich ein bisschen raushören konnte, macht das Center öfters Probleme, das keiner zur Arbeit  kommt oder so. Ich bin gespannt. Ein Glück bin ich hier sehr frei, wenn ich da nicht hin will, muss ich nicht. Gar kein Problem.

So Ende letzter Woche und diese Woche hat sich das Blatt sehr gewendet. Die Mamas respektieren mich sehr und wollen genau wissen, was ich denke oder tue. Das einzige Problem ist die Sprachschwierigkeit, manchmal kann ich es ihnen halt nicht erklären, weil ihr Englisch zu schlecht ist. Ich versuche viel zu zeigen.

Die kleine Prinzessin Salma (die Kinder) ist grade mein größtes „Opfer“, ich bin sehr zuversichtlich, dass sie sehr viel von einer Therapie profitieren kann. Mittags nach dem Lunch schläft sie immer fast ein, weil sie so viel mehr gefordert wird. Ich wechsel etwas ab, zwischen Therpie, einer effektiven Lagerung und Pausen. Dazwischen sind die andren Kinder dran. Ebenzer, Fredrick und Fatuma sind halt sehr schwierige Fälle, ich bewege sie durch, dehne sie auf und Fatuma kommt auch in den Stehständer. Fredrick schafft auch Aufstehtraining, aber auch nur kurz, dann sind sie platt und Salma ist wieder dran.

Neema ist auch ein Mädchen dort, sie macht schon viel mit, da sie schon 15 ist und mit dem Rollator laufen kann. Es stehen mir zwar alle Haare zu Berge, aber immerhin läuft sie und hat ihre Taktik, die Treppe hoch zu kommen. Sie wurde mehrfach an den Beinen operiert, ich vermute, dass es ihr teils mehr geschadet hat, weil der eine Fuß nicht wirklich zu gebrauchen ist. Morgen möchte ich sie mal tapen und ihr Einlagen basteln. Sie hat, wie die andren auch, echt schicke Orthesen, aber die sind nicht flexibel. Also laufen geht mit denen einfach nicht. Die Mamas haben sie heute dazu gezwungen, aber sie ist schlechter gelaufen als davor. Ich versuche nun mit ihrem Schuhwerk weiter zu kommen.

Generell ist das alles hier grade ein Mittelweg zwischen ihren Techniken und meinen. Heute zB. war ich mit Salma beschäftigt, da ziehen sie Ebenezer die Orthesen an und binden ihn draußen an die Säule mit  5 Tüchern. Das ist ihr Stehständer für die Größeren. Solche Sachen finde ich grade nach und nach raus. Sie sind teilweise echt kreativ und ich versuche größeres Übel zu vermeiden. Aber muss es einfach aktzeptieren, dass sie seit Jahren hier ihr Ding machen. Ich bin ja froh, dass sie so motiviert sind, aber manchmal muss ichs chon etwas lachen.

Viele Grüße, kwa heri!

1. Woche – Msaragna Center

Habari!

Meine erste Woche ist um. Ich war diese Woche ausschließlich im Msaranga-Center. Das Center für die Schwerbehinderten. Nächste Woche schaue ich in das zweite Center rein.

Ich habe etwas Zeit gebraucht um mich einzufinden, da die 3 Frauen dort es ja nicht gewöhnt sind, dass noch jemand da ist, der die Kinder in Anspruch nehmen will. Aber so langsam hab ich mich etwas einbringen können. Die Kinder sind in ganz unterschiedlichen Zuständen, von 3 – 18 Jahren ist alles dabei, genauso wie an Krankheitsbildern und Hygienezuständen. Die meisten Kinder haben keine Windeln, bzw. haben ein Tuch umgewickelt bekommen und eine Plastiktüte darüber oder sie tragen eben gar nichts und haben eine frische Hose dabei. Daher geht auch mal was auf den Boden. Einige der Kinder können nicht sitzen und auch nicht viel teilhaben am Miteinander, daher werden sie einfach auf eine Matratze gelegt und da liegen sie dann bis sie abgeholt werden. Ich denke, allein daran kann man was ändern um in diese Kinder mehr Aktivität zu bringen. Ein paar wenige sind motorisch ganz gut und auch geistig fit so, dass etwas Unterricht gemacht werden kann, aber wie das hier so die Art ist, halten sich die Frauen nicht daran regelmäßig zu unterrichten, damit wirklich was ankommt. Polepole (langsam langsam!) heißt es hier. Daher lernen diese 18 jährigen grade die Zahlen von 1-10 auf Swahili, während der Kindergarten nebendran mit den 5-Jährigen Englisch Unterricht macht. Nun ja, der Raum wird von der evangelischen Kirche gestellt, daher befindet er sich in einem echt schönen Anwesen mit noch einem Kindergarten, es ist also immer viel los.

Neben der Hygiene ist es auch eine Umgewöhnung gewesen, wie die Frauen hier mit den Kindern umgehen. Manchmal liegen sie einfach auf dem Boden ohne Unterlage und werden lange nicht gewickelt, dann werden sie mal wieder au die Matratze gelegt aber dann nur am Arm hingezogen und über den Boden geschleift. Gerade die Kleineren könnte man durchaus hochheben, aber das mit der Liebe zu den Kindern ist hier glaube ich einfach anders generell. Auch gesunde Kinder werden hin und hergeschleift und so früh wie möglich ins Internat getan, sofern man es sich leisten kann.

So im Allgemeinen ist die Ausstattung aber sehr gut, da das BCC ja von einer amerikanischen Organisation gefördert wird, wurden sie hier mit Hilfsmitteln ausgestattet, es gibt mehrere Gehhilfen, einen Stehständer, Igelbälle, viel Spielzeug und Lageurngshilfen. Die Sachen werden nur einfach nicht benutzt. Sie wissen welches Kind in den Stehständer sollte, auch welches Gangschule bräuchte, aber als ich kam mussten wir erstmal zu zweit das Zeug aus der Ecke kramen, entstauben und neu anpassen. Genauso überrascht war ich, dass alle Kinder, die es brauchen, wirkliche tolle Orthesen (Schienen) haben. Das sind dieselben, die viele Kinder in Deutschland auch haben. Da wurde mal ordentlich Geld investiert und die Schienen den Beinen der Kinder angepasst. Tja nur tragen sie die nicht. Ich habe am Freitag das erste Kind gesehen, dass mit den Schienen in den Center gekommen ist. Ansonsten hängen halt überall Fotos von den Kindern mit den Schienen, oder im Lageurngsteil hab ich auch schon welche rumfahren sehen. Leider leider nutzen sie diese nicht und dieses eine besagte Kind war keine Stunde da, da hat man sie ihr schon ausgezogen. Als ich sie durchbewegt hab, habe ich festgestellt, dass der eine Fuß schon Richtung Spitzfuß geht und eigentlich nicht mehr in die Orthese passt. Die Mutter muss sie da reingezwungen haben. Unter Tränen habe ich den Fuß versucht zu mobiliseren, sie hatte diese Schienen sicher nicht oft an.

Ich habe das gleich gezeigt und da auch manche Mütter einfach den ganzen Tag da bleiben, konnte ich denen wenigstens schon mal verständlich machen, wozu diese Orthesen da sind.

Mein Fazit nach einer Woche ist, dass es hier nicht unbedingt an Material oder Geld fehlt, sondern am Fachwissen. Keine Therapeuten, unaufgeklärte Familien und damit leider keine Kontinuität.