Tag im St. Joseph Hospital

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Gestern durfte ich mit einer anderen Freiwilligen mitgehen, die auf eine Zusage zum Medizinstudium wartet und solange hier ein Praktikum in allen verschiedenen Stationen macht. St. Joseph ist ein katholisches, von Schwestern geführtes Krankenhaus, das mit dem KCMC (das größte und beste Tansanias) das beste in Moshi ist. Die Pädiatrie ist im obersten Stockwerk und besteht aus 2 großen Sälen, in denen Bett an Bett ein Kind mit seiner Mama liegt. Bei Bedarf teilen sich auch 2 Kinder ein Bett. Oben drüber ist ein Moskitonetz angebracht für jedes Bett. In dem einen Saal werden alle ansteckenden Kinder gebracht und in den anderen alle, die nicht ansteckend sind. Aber mir wurde gesagt, da es Platzangel gab, sind jetzt auch ein paar ansteckende bei den nicht ansteckenden Kindern.

Die Betten sind kostenlos, aber für alles andere muss gezahlt werden,, das ist hier überall so üblich. Es gibt kein Essen und auch die Medikamente müssen die Patienten selber in der Apotheke im Erdgeschoss kaufen. Der Doktor macht täglich Visite und diagnostiziert und schreibt Rezepte. An sich dürfen die Patienten solange bleiben wie sie wollen, da sie für das „Liegen“ nichts zahlen müssen. Natürlich muss man den Platz räumen, wenn er benötigt wird. Aber dementsprechend war der allgemeine Eindruck, dass viele Kinder ziemlich aktiv und quietsch fidel waren. 80% sind wegen einer Lungenentzündung hier und damit müssen sie auch mind. 5 Tage bleiben, auch wenn es ihnen schon längst besser

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geht. Das behandeln sie hier auch mit Antibiotika, aber das wird via Infusion gegeben. Tabletten gibt es keine. Das heißt, alle Kinder sind mit einem Zugang an der Hand rumgelaufen. Ein Kind hatte Meningitis, die tat mir besonders leid, wie sie da mitten unter schreienden, tobenden Kindern lag und sich so elend gefühlt hat.

Leider haben wir die Visite verpasst,.da der Arzt Nachtschicht hatte und sie schon ganz früh gemacht hat. Die Schichten sind hier übrigens echt lang, Tagesschicht plus Nachtschicht plus nochmal ein halber Tag. Wir durften dann aber bei den HIV-Tests zuschauen, die seit neustem verpflichtend sind für jedes eingelieferte Kind. Das wurde mit Teststreifen gemacht, wie bei einem Schwangerschaftstest mit einem Tropfen Blut, wie beim Zuckertest. Die Kinder haben gebrüllt als hätte man ihnen etwas schlimmes angetan, aber nachdem ich auch zugeschaut habe wie sie die Zugänge bei ihnen legen, hab ich verstanden, wovor sie solche Angst hatten. Selber Ort, selbe Schwester und eine Nadel.. von den 15 Kinde

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rn, die gestern getestet wurden, war eins positiv. Dazu muss man noch bedenken, dass in dieses Krankenhaus auch wirklich nur die Menschen kommen, die sich das leisten können, generell ist ein Krankenhausaufenthalt für viele nicht machbar. Kosten plus einen Ehemann, der Essen bringt. Bei meinen Kindern haben die meisten keinen Vater mehr, geschweige eine Mutter, also wer soll sie ins Krankenhaus bringen? Da ist das Taxi von BCC nicht ausreichend, da hängt noch viel mehr Aufwand mit dran. Das habe ich auch jetzt erst begriffen.

 

Nach dem HIV Tests mussten dann noch neue Zugänge gelegt werden, dabei ist mir aufgefallen, dass sie für jedes Kind dieselbe Größe benutzen. So eine lange Nadel hätte mir als Kind auch Angst gemacht.

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Der kleine Raum auf einem Foto an der Wand, da ich nicht in den voll belegten Raum hineinfotografieren wollte.

Die Station ist ansonsten noch mit einem Spielzimmer ausgestattet, wo fittere Kinder spielen können, der Raum ist wirklich schön gestaltet. Nachdem wir uns ein bisschen mit den Kindern beschäftigt hatten, mussten ein paar zur Untersuchung ihrer Nase antreten. Anscheinend haben sie eine Impfung erhalten gegen Grippe und haben sie trotzdem bekommen. Jetzt möchte das KCMC untersuchen, woran das genau lag. Das heißt es wurde Sauerstoff gemessen, Teststreifen von der verstopften Nase genommen und mit Flüssigkeit vermischt. Das eine geht nun ins Labor vom KCMC. Danach war es dann Zeit für die Medikamention, da sie ja alles über Infusion bekommen, musste das bei jedem Kind angeschlossen werden und Spritzen gegeben werden. Das war nicht so einfach wie bei uns mit einer Schale aller Tabletten zum Mittagessen. Damit war der Tag dann auch schon rum, es war eine tolle Erfahrung. Ich muss sagen, ich hätte es schlimmer erwartet. Natürlich sind das Zustände, das

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s 20 Kinder in einem Raum sind, aber die Spritzen, Teststreifen, Röhrchen etc etc wurde alles frisch ausgepackt. Sie haben immer Handschuhe getragen und desinfiziert. Da habe ich von dem Krankenhaus in der Stadt (Mawenzi) anderes gehört. Spritzen mehrfach benutzen und generell überall rein stechen, egal ob Muskel oder Gefäß. Nun dieses Krankenhaus schaue ich mir die nächsten Tage mal an. St. Joseph war auf jeden Fall ein tolles Krankenhaus für Afrika. Der Umgang ist hier einfach ein anderer, das liegt aber einfach an der Mentalität. Bei einem Vorfall musste ich mal wieder schmunzeln. Als wir ein paar Akten weggebracht haben mit einer Schwester, lag eine Frau auf dem Boden im Treppenhaus. In völliger Ruhe hat die Schwester dann entschieden doch mal nach ihr zu schauen, wahrscheinlich schläft sie aber nur. Das machen sie häufiger..Nun es hat sich herausgestellt, dass es eine Patientin ist, die ohnmächtig geworden ist. Den Arzt musste man aber trotzdem nicht gleich holen, erst mal einen Rollstuhl und dann auf die Station bringen. Prioritäten werden hier einfach anderes gesetzt. Zuhause habe ich die Erfahrung gemacht, dass vor Ort Beine hoch gelegt werden, der Arzt gerufen wird und am „Unfallort“ alles notwendige schon behandelt wird. Nun ja, das ist Afrika..

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