1. Woche – Msaragna Center

Habari!

Meine erste Woche ist um. Ich war diese Woche ausschließlich im Msaranga-Center. Das Center für die Schwerbehinderten. Nächste Woche schaue ich in das zweite Center rein.

Ich habe etwas Zeit gebraucht um mich einzufinden, da die 3 Frauen dort es ja nicht gewöhnt sind, dass noch jemand da ist, der die Kinder in Anspruch nehmen will. Aber so langsam hab ich mich etwas einbringen können. Die Kinder sind in ganz unterschiedlichen Zuständen, von 3 – 18 Jahren ist alles dabei, genauso wie an Krankheitsbildern und Hygienezuständen. Die meisten Kinder haben keine Windeln, bzw. haben ein Tuch umgewickelt bekommen und eine Plastiktüte darüber oder sie tragen eben gar nichts und haben eine frische Hose dabei. Daher geht auch mal was auf den Boden. Einige der Kinder können nicht sitzen und auch nicht viel teilhaben am Miteinander, daher werden sie einfach auf eine Matratze gelegt und da liegen sie dann bis sie abgeholt werden. Ich denke, allein daran kann man was ändern um in diese Kinder mehr Aktivität zu bringen. Ein paar wenige sind motorisch ganz gut und auch geistig fit so, dass etwas Unterricht gemacht werden kann, aber wie das hier so die Art ist, halten sich die Frauen nicht daran regelmäßig zu unterrichten, damit wirklich was ankommt. Polepole (langsam langsam!) heißt es hier. Daher lernen diese 18 jährigen grade die Zahlen von 1-10 auf Swahili, während der Kindergarten nebendran mit den 5-Jährigen Englisch Unterricht macht. Nun ja, der Raum wird von der evangelischen Kirche gestellt, daher befindet er sich in einem echt schönen Anwesen mit noch einem Kindergarten, es ist also immer viel los.

Neben der Hygiene ist es auch eine Umgewöhnung gewesen, wie die Frauen hier mit den Kindern umgehen. Manchmal liegen sie einfach auf dem Boden ohne Unterlage und werden lange nicht gewickelt, dann werden sie mal wieder au die Matratze gelegt aber dann nur am Arm hingezogen und über den Boden geschleift. Gerade die Kleineren könnte man durchaus hochheben, aber das mit der Liebe zu den Kindern ist hier glaube ich einfach anders generell. Auch gesunde Kinder werden hin und hergeschleift und so früh wie möglich ins Internat getan, sofern man es sich leisten kann.

So im Allgemeinen ist die Ausstattung aber sehr gut, da das BCC ja von einer amerikanischen Organisation gefördert wird, wurden sie hier mit Hilfsmitteln ausgestattet, es gibt mehrere Gehhilfen, einen Stehständer, Igelbälle, viel Spielzeug und Lageurngshilfen. Die Sachen werden nur einfach nicht benutzt. Sie wissen welches Kind in den Stehständer sollte, auch welches Gangschule bräuchte, aber als ich kam mussten wir erstmal zu zweit das Zeug aus der Ecke kramen, entstauben und neu anpassen. Genauso überrascht war ich, dass alle Kinder, die es brauchen, wirkliche tolle Orthesen (Schienen) haben. Das sind dieselben, die viele Kinder in Deutschland auch haben. Da wurde mal ordentlich Geld investiert und die Schienen den Beinen der Kinder angepasst. Tja nur tragen sie die nicht. Ich habe am Freitag das erste Kind gesehen, dass mit den Schienen in den Center gekommen ist. Ansonsten hängen halt überall Fotos von den Kindern mit den Schienen, oder im Lageurngsteil hab ich auch schon welche rumfahren sehen. Leider leider nutzen sie diese nicht und dieses eine besagte Kind war keine Stunde da, da hat man sie ihr schon ausgezogen. Als ich sie durchbewegt hab, habe ich festgestellt, dass der eine Fuß schon Richtung Spitzfuß geht und eigentlich nicht mehr in die Orthese passt. Die Mutter muss sie da reingezwungen haben. Unter Tränen habe ich den Fuß versucht zu mobiliseren, sie hatte diese Schienen sicher nicht oft an.

Ich habe das gleich gezeigt und da auch manche Mütter einfach den ganzen Tag da bleiben, konnte ich denen wenigstens schon mal verständlich machen, wozu diese Orthesen da sind.

Mein Fazit nach einer Woche ist, dass es hier nicht unbedingt an Material oder Geld fehlt, sondern am Fachwissen. Keine Therapeuten, unaufgeklärte Familien und damit leider keine Kontinuität.

3 Gedanken zu „1. Woche – Msaragna Center

  1. Hey Tanja 🙂

    sehr spannend was du da erzählst und auch sehr traurig mal wieder einen Einblick in eine bestimmte Realität zu bekommen und das aus direkter Quelle.
    Dein Fazit ist aber auch beruhigend, da du ja wirklich was bewirken kannst und hoffentlich auch bald siehst wie deine Arbeit weiterhilft. Richtig gutes Projekt auf jeden Fall… bin gespannt auf weitere Berichte.

    Lena

  2. Liebe Tanja,
    klingt wirklich sehr interessant was du da erzählst und wirklich sehr schade wie die Zustände dort sind, aber wieder mal der Beweis dafür dass Geld- und Sachspenden es allein halt auch nicht bringen.
    Umso schöner ist es dass du jetzt vor Ort bist und das nötige Fachwissen hast! Vllt schaffst du es ja auch ein paar Müttern oder „Betreuern/Therapeuten“ vor Ort, (langfristig) etwas davon zu vermitteln!

    Ich wünsch dir aufjedenfall weiterhin eine schöne Zeit dort und freue mich auf deine nächsten Berichte!
    Pass auf dich auf 🙂

  3. Liebe Tanja,
    dein lebendiger Bericht berührt mich, stelle mir vor, wie die Kinder hin- und hergezogen werden. Schon eine traurige Vorstellung. Jetzt braucht es viel Geduld beim Erklären und Wiederholen. Wie du schon sagst, wird Fachwissen benötigt und genug Leute, die sich intensiver kümmern können.

    Bin gespannt, wie es weiter geht.

    LG Waltraud

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