Fortschritte und Gespräche – Schluss mit „polepole“! ;)

In den letzten 2 Wochen ist wieder allerhand passiert. Ich hab zum einen endlich Gesellschaft bekommen, genauer gesagt ist Max angereist und bleibt nun 5 Monate hier und arbeitet im Institut of Technology hier in der Stadt. Wir sind beide sehr glücklich wieder beieinander zu sein.
In Msaranga ging es auch hoch her, wir haben schon wieder Zuwachs bekommen. Der kleine Simon scheint jetzt auch öfters in den Center zu kommen. Ein so goldiger Kerl, der es schon versteht mit uns Frauen zu flirten. Innerhalb kurzer Zeit hatte er uns alle schon um den Finger gewickelt.
Er müsste etwa 3 Jahre alt sein und ist motorisch eingeschränkt. Geistig scheint er gesund zu sein, denn er versteht was man ihm sagt. Der Kleine ist ganz begeistert vom Laufen lernen, er rennt eigentlich den ganzen Tag mit einem kleinen Rollator aus dem Center rum und macht auch nicht halt vor Matratze, Spielzeug oder Kindern. Dabei fährt er dann gnadenlos über die Beine der anderen, wenn man mal nicht aufpasst oder er verschwindet einfach nach draußen und man wundert sich wie er die Treppe runter gekommen ist. Seitdem ist die Tür nun immer zu. Simon hat eine deutliche Fußheberschwäche, dh. er kann beim Laufen seinen Fuß nicht ausreichend anheben um ein schönes Gangbild zu haben, stattdessen hängt der Fuß nach unten und deshalb müsste er das Bein ja viel höher heben, da das aber viel anstrengender ist, zeigen die Meisten eine Kompensationsbewegung zur Seite aus der Hüfte raus. Darum läuft Simon mit Rollator, schwenkt seine Beine seitlich raus um sie nach vorne zu bringen, dabei steht er nicht aufrecht sondern leicht gebückt. Ich vermute stark, er hat einen zu schwachen Gluteus, also für die Streckung in der Hüfte um au

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frecht stehen zu können. Da der Junge ja „sein ganzes Leben“ noch nicht richtig gelaufen ist, hat er den Muskel bis jetzt ausgespart zu benutzen. Anna und ich haben letzte Woche dann mal einen Peroneuswickel bei ihm gemacht, das ist ein Wickel aus einer Bandage um den Fuß zu unterstützen nicht nach unten zu hängen. Damit wollten wir ein besseres Gangbild erreichen, damit er auch die richtigen Muskeln einsetzten kann. Es sah ein bisschen besser aus, der Kleine ist aber schon ziemlich an sein Muster gewöhnt, das muss man ihm erstmal austreiben und zudem ist es so ja auch noch viel anstrengender, also warum die schwierige Art wählen? Zudem war er nicht so glücklich darüber etwas am Fuß zu haben. Nun wir werden ihn daran gewöhnen und immer länger dran lassen. Anna hat auch noch ein paar andere Ideen, wir werden sehen, was am besten funktioniert.
Ansonsten hätte diese Woche eigentlich schon ein Gespräch zwischen dem Physiotherapeuten des KCMC (örtliches Krankenhaus), der Zuständigen für Hilfsmittelversorgung von BCC und Anna und mir laufen sollen, da wir um mehr Informationen gebeten haben wegen der Orthesenversorgung (vorallem Neemas) und über Fredrick. Meiner Meinung nach sind die steifen Orthesen völliger Schwachsinn, keine Ahnung was man
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sich dabei gedacht hat, das konnte mir bis jetzt eben keiner erklären und auch Anna ist der Meinung, welche mit mobilen Gelenkteil für den Knöchel wären am besten geeignet. Und über Fredrick haben wir uns Gedanken gemacht, da er einen Fuß operiert bekommen hat in 2008 um seine Wade zu verlängern, aber der andere ist immer noch verkürzt. So kann er auf einem Fuß stehen, so ist denn da der Sinn? Kann natürlich sein, dass es aus medizinischen Gründen nicht ging oder sogar wegen der Finanzen, aber das wäre einfach mal gut zu wissen. Nun hoffe ich, dass das Treffen diese Woche stattfindet. Ich bin sehr gespannt und freue mich auch sehr darüber, dass Becca vom Office mir gegenüber da sehr offen war und meine Anregungen sofort aufgenommen hat. Das ganze BCC scheint mir doch etwas unorganisiert zu sein, da so viele verschiedene Organisationen da Geld reinstecken, unterstützen und einmal im Jahr vorbeischauen, etwas tun und dann wieder gehen ohne mit den anderen zu sprechen. So hab ich neulich eine PT aus Australien kennengelernt, die ist dafür zuständig die Hilfsmittel in Stand zu halten, aber von den Orthesen wusste sie nichts. Es klingt etwas danach, dass es eine Spende gab und die dann ohne viel Absprache in ein Projekt gesteckt wurde, wie Orthesenversorgung. Das hat dann der PT von KCMC übernommen, aber ohne ihn angreifen zu wollen, aber viel kann sich dabei nicht gedacht worden sein. Nun wie gesagt, ich bin gespannt auf Erklärungen, ich lerne ja auch noch!
Anna hat diese Woche mit Neema und James ein paar Unterichtseinheiten angefangen. Beide sind ja sehr motiviert zu lernen und zu schreiben. James ist mit ihren laminierten, vorgeschriebenen Schreibübungen sehr gut zurecht gekommen (a, e, i, o, u nachschreiben). Neema tut sich etwas schwerer mit der Feinmotorik. Aber kaum packt Anna ihren Edding aus, kommen beide angestürmt und wollen etwas tun, ganz toll! Anna sagt selber, ihr ist es etwas lieber mehr mit den Händen zu arbeiten, da sie als Ergotherapeutin da einfach mehr Wissen drüber hat als die Orthesenvers
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orgung von Neema. So kann ich mich um die anderen kümmern und die zwei werden endlich auch mal mit einbezogen. Bei so vielen Kindern, bleibt leider so viel links liegen. Aber es wird, zu zweit sind wir viel besser.

Viele liebe Grüße!

 

PS: Ein paar neue Bilder kommen auch noch und die hier hat James gemacht und noch gefühlte 100 mehr mit nur halben Körpern drauf 🙂

Ein Gedanke zu „Fortschritte und Gespräche – Schluss mit „polepole“! ;)

  1. Hallo Tanja!
    Man! Ich hab zu lange nicht mehr vorbei geschaut hier. Umso mehr hab ich mich gerade gefreut deine ganzen Einträge zu lesen! Da ist ja einiges passiert, hört sich super an und auch toll, dass du mit Anna zusammenarbeiten kannst. Da kann ich mir gut vorstellen, dass man zu zweit mehr Ideen umsetzen kann. Dass Max jetzt da ist freut mich auch sehr für euch beide 🙂 Liebe Grüße an ihn! Eine super Erfahrung, die ihr da teilt. Man, eigentlich bin ich natürlich auch schon wieder in bisschen neidisch auf die Erfahrung… haha, aber das bin ich immer, wenn es ums Ausland geht.. freue mich dafür umso mehr aus erster Hand ein bisschen vom Leben in Tansania mitzubekommen! Und hoffe sehr dich ordentlich befragen zu dürfen wenn du wieder da bist 🙂 irgendwann starte ich dann auch mal ein Afrika Projekt … es gibt noch so viel zu erleben. Bis dahin hoffe ich, dass euer Projekt fruchtet und ihr eine gute Zeit verbringt. Bis bald! Liebe Grüße Lena

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