Hakuna Matata – Das afrikanische Leben

Neben der Arbeit gibt es natürlich auch ganz viel zu erleben und zu entdecken. Es ist nicht nur eine ganz andere Kultur, sondern auch anderes Essen, Verhalten und Art und Weise des Lebens.

Die Kultur besagt quasi, dass die Familie über alles steht. Im Grunde auch über das Gesetz. Eine Frau wird irgendwann in ihrem Leben von einem Mann ausgesucht, der geht dann zur ihrer Familie und bespricht mit dem Baba wieviel er für sie zahlen würde.  Stimmen die Vorstellungen überein, kann er sie eigentlich schon am nächsten Tag heiraten. Die Männer, die mir das erzählt haben, lachen viel darüber, weil sie sagen, wenn du denkst, ja jetzt möchte ich heiraten, kannst du schon am nächsten Tag verheiratet sein. Die Frau muss dann mit dem Mann gehen und ihm Kinder schenken. Meistens sind es dann Großfamilien mit 5-6 Kindern. Der Mann genießt die höchste Autorität, dann die Mama und dann die Kinder. Heirat ist hier auch ein muss, je nach Religion, aber einfach nur in einer Partnerschaft leben gibt es hier nicht, scheiden lassen kann man sich allerdings schon. Ich habe eine Frau kennengelernt, die wurde mit 5 Kindern sitzen gelassen, weil das letzte behindert auf die Welt gekommen ist. Sie hat also als Frau versagt und der Mann sucht sich eine Neue. Hier in Tansania spielen die Stämme noch eine große Rolle. Der Stamm, der um Moshi verbreitet ist verbietet es mehr als eine Frau zu haben, aber die Massai zum Beispiel haben 10 Frauen auf einmal. Diese strengen Strukturen lösen sich aber auch hier mit der Zeit. Adelina, meine Betreuerin, erzählte auch, dass es immer lockerer wird. Es gibt genauso auch Heirat aus Liebe, dennoch muss der Mann bezahlen. Und Frauen können hier durchaus auch einen Beruf ausüben, der darf aber nicht besser sein als der des Mannes. Aber die autoritäre Erziehung herrscht weiter vor. Samwel, mein Gastbruder, hat mir das erklärt. Du bist „volljährig“, wenn dein Baba das sagt. Natürlich darfst du mit 18 wählen gehen, aber das heißt nicht, dass du raus darfst solange du willst, oder überhaupt deinen Weg gehen. Ausziehen, studieren oder sich frei bewegen könnnen darf er erst, wenn er die Erlaubnis hat. Solange muss er hier wohnen und für die Familie arbeiten und mithelfen. Er sagt, wenn er hier ein Mädchen mitbringen würde, dann müsste er sie auch heiraten, darum spielt er immer ein bisschen verstecken mit seinen Eltern um mal ein Mädchen zu treffen.

Das Essen ist eher einfältig, es gibt immer Reis, Reisbrei oder Kochbananen, dazu gibt es dann Bohnen, Kürbisblätter oder sogar auch mal Fleisch. Die Banen kann man auch zermatschen oder grillen, aber im Endeffekt, ist es eigentlich immer dasselbe. Wenn man in ein Restaurant geht, bekommt man auch mal Snacks serviert, die gibt es in den Familien nicht so häufig, das sind meistens verschiedene Teigspezialtitäten, die frittiert worden sind. Fleisch, Eier und Gemüse sind hier hoch im Kurs. Wer sich kein Fleisch leisten kann ist Reisbrei mit Bohnen. Zum Essen wird mir immer nur ein Löffel serviert oder gar nichts, dann geht das mit der Hand. Deswegen gibt es in jedem Essensraum auch Waschbecken.

Das Verhalten der Afrikaner ist auch sehr anders, sie scheinen es zu mögen sich zu unterhalten. Ob sie dich kennen oder nicht, ist egal, hauptsache man hat mal ein „Mambo“ oder „Habari“ gerufen. Es zu ignorieren scheint sehr unhöflich zu sein, aber grade als Mzungu (Europäer/Weißer) würde man ja nicht voran kommen, wenn man auf alles antworten würde. Wenn ich zur Arbeit fahre, fahre ich an einer Schule vorbei, wo ich mir morgens und nachmittags einen Chor aus: „Hey Mzungu!, Mambo! Good morning! Mzuuuuunguuuu!“ anhören darf. Das „good morning“ höre ich auch abends, das ist halt das bisschen Schulenglisch hier 🙂 Ansonsten sind Afrikaner sehr laut, pulen sich in der Nase und rülpsen,  alles ganz normal hier. Die Höflichkeit zeigt sich in der Sprache, es gibt 4 verschiedene Versionen jemanden anzureden, je nach Stand/Alter/Autoriät/Religion. Damit zeigt man Respekt.

Zum Leben hier ist zu sagen, dass hier jeder der was auf sich hält ein Auto hat und das auch immer benutzt, derjenige fährt kein Bus. Wer sich kein Auto leisten kann, fährt Motorrad. Das ist eiegntlich ein sehr gutes Fortbewegungsmittel, weil nicht alle Straßen geteert sind. Darum gibt es hier auch die „Peaks“, das sind Taxifahrer auf dem Motorrad. Der Dallahdalla fährt nur auf geteerten Straßen und die „dirty roadas“ sind teilweise sehr lange zum laufen, da kann man auf ein Peak umsteigen. Nun und die Ärmeren fahren tatsächlich Fahrrad, wobei das meistens auch ihre Arbeit ist, dh. sie fahren in die Stadt, bocken ihr Rad auf, oder lässen das Rad in den Gulli hängen und fangen an Messer zu schleifen, auf dem drauf montierten Schleifstein. Alles ist möglich. In Moshi sitzten auch an jeder Ecke Näherinnen mit manuellen Nähmaschienen, wie meine Oma sie noch hatte. Die machen die schönsten Kleider.

Das Lebensmotto hier besagt: Hakuna matata, mach dir keine Sorgen und polepole, immer schön mit der Ruhe. Pünktlichkeit gibts nicht, wenn du ein Termin hast, heißt das nicht, dass er auch eingehalten wird. Das kann schon mal sehr ärgerlich sein, aber in manch schweren Situationen begrüßt du auch, dass es dir jetzt keiner Übel nimmt. Es gibt wenig Streiterein oder Probleme. Es geht halt alles etwas langsamer. Fragt man jemand wie er Deutschland fand, als er mal da war, meinen die meisten: „oh the people are so stressed..“ Aber meistens fanden sie Europa trotzdem sehr toll.

So das war ein kleiner Schwank aus dem Leben hier, Fortsetzung folgt…

 

2 Gedanken zu „Hakuna Matata – Das afrikanische Leben

  1. Liebe Tanja,
    bei deiner Beschreibung über das Essen kommt wirklich keine Sehnsucht auf, aber man gewöhnt sich dran, gell?
    Welche Temperaturen hast ihm Moment? Hier ist der Winter wieder zurück gekommen und man darf an manchem Morgen wieder richtig Schnee schieben und räumen. Bis Fasnacht ist hoffentlich etwas wärmer, sonst lockt die Straßenfasnacht nicht so sehr.

    Freue mich auf weiteren Bericht.

    LG Waltraud

    • Liebe Waltraud,
      wie schön von dir zu hören! Hier sind es durchschnittlich 28 °C, je nach Luftfeuchtigkeit ist es ertragbar oder auch nicht. Nachts wird es allerdings recht kühl, also da brauch man schon einen dünnen Pulli.
      Hoffe für euch gibt es gutes Wetter an Fasnacht!
      Ich ziehe heute um, sobald der Trubel rum ist, gibt es wieder einen neuen Bericht.

      LG Tanja

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